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Während andere ihre Ferien genossen, half Aiad Hasoon den Geflüchteten in Belgrad – Er will andere zum Helfen animieren

Berichte vom Ende der Balkanroute

Datum: 16.02.2017
Rubrik: Gesellschaft

Strausberg (km/sd). Die Luft am alten Hauptbahnhof von Belgrad ist raucherfüllt, das Atmen fällt schwer. Überall liegt Müll herum, der als Brennmaterial herhalten muss, um der Kälte zu trotzen. Unterkühlung, nicht genug zu essen, nicht weiterzukommen, wieder abgeschoben zu werden, in Herkunftsländer, wo man jeden Tag mit dem Tod konfrontiert wird, oder auf diesem Teil der Balkanroute zu verhungern oder zu erkranken, sind bestimmende Ängste. Katastrophale Zustände. Oft wurden die Bilder im Fernsehen gezeigt, doch die Lage vor Ort zu erleben, ist etwas ganz anderes.
Während seine Klassenkameraden daheim blieben oder in den Winterferien andernorts im Urlaub waren, machte sich Aiad Hasoon noch am Freitag nach der Ausgabe der Halbjahreszeugnisse auf nach Belgrad. Er, sein Vater und ein paar Freunde wollten vor Ort helfen, etwas bewegen. Mit einem Laster und einem Auto, bis zum Rand gefüllt mit Hilfsgütern, sind sie nach Serbien aufgebrochen. Die Hilfsgüter wurden vor der Grenze in Ungarn an eine Organisation übergeben, die diese dann verteilt. Anschließend ging es weiter nach Belgrad.
Am Vormittag kochten Aiad und die anderen für die Flüchtlinge, zusammen mit Helfern von „Hot Food Idomeni". Danach suchten sie auch das persönliche Gespräch mit den Flüchtlingen, denn neben materiellen Gütern fehlt den Menschen vor allem eines: Hoffnung.
„Es gibt keine Perspektiven mehr für die Leute", fasst Aiad seine Eindrücke zusammen. Unter den schwierigsten Bedingungen leben in den Gebäuden des alten Belgrader Bahnhofs mehr als 1.000 Menschen, meist Männer zwischen 16 und 40 Jahren aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. Müll türmt sich und wird in der Not noch nutzbar gemacht, geschlafen wird, wo es möglich ist, einfachste Grundbedürfnisse werden Luxus. „Wenn man die Lage vor Ort erlebt, ist das etwas komplett anderes als die Bilder in den Medien. Man sieht die Hilflosigkeit der Menschen. die weder vorwärts, also weiter nach Ungarn, noch zurück in ihre ursprünglichen Heimatländer können", schildert der 16-jährige Schüler des Theodor-Fontane Gymnasiums seine Eindrücke. In selbst organisierten Lagern oder Unterkünften der Regierung kämpfen die Geflüchteten um ihr Überleben, ihre Zukunft. Natürlich geht die Situation der Menschen auch an den Helfern nicht spurlos vorbei: „Man fühlt sich als Helfer auch an einem Punkt hilflos, da man versucht allen zu helfen, aber es nicht schafft", erzählt Aiad Hasoon weiter. „Wir tun das beste, was wir können. Mehr können wir nicht leisten, auch wenn es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist."
Inzwischen sind die vier wieder heil – aber erschöpft – in Deutschland angekommen. Aiad will nun mehr über dieses Thema berichten und seine Erlebnisse schildern. „Obwohl ich die Bilder täglich gesehen habe, nehmen einen die Eindrücke sehr mit", so der Gymnasiast. „Bedenkt man, dass sowas praktisch vor unserer Haustür passiert, wir nur ein Stück weit vom Elend der Menschen entfernt sind... Ich will die Leute zum Nachdenken animieren", erklärt Aiad Hasoon seine Motivation. Sein Wunsch ist es weiterhin, andere zu bewegen, selbst zu helfen. Schon zu den nächsten Schulferien möchten Aiad und sein Vater erneut nach Belgrad fahren, denn neben der Hilfe, die sie dort leisten konnten, haben sie auch Freundschaften geschlossen.
Der Regionalfernsehsender hat sich mit den Helfern getroffen. Einfach dem Link folgen und den Beitrag ansehen: http://www.odf-tv.de/mediathek/26946/Berichte_vom_Ende_der_Balkanroute.html

BU: Auch wenn nur wenige Menschen zu sehen sind, befinden sich in den Gebäuden des alten Belgrader Bahnhofs über 1.000 Geflüchtete. Die Hilflosigkeit, mangelnde Perspektiven übertragen sich auch auf Helfer, die ihr bestes geben.      Foto: privat/Aiad Hasoon
 

 

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