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„Kunterbunt“ und „Neustart“ richten sich seit einem Jahr an Geflüchtete – Spenden und Unterstützung sind willkommen

Die „Mühlenwichtel“ sind (kulturell) gewachsen

Datum: 19.05.2017
Rubrik: Vereinsleben

Strausberg (sd). Hinter den „Mühlenwichteln" im Jugendsozialverbund Strausberg e. V. (JSV) verbirgt sich eine außergewöhnliche Eltern-Kind-Gruppe. Angesichts wachsender Aufgaben, größerer kultureller Vielfalt und mehr geflüchteter Mütter und Kinder wurden vor gut einem Jahr zusätzlich die Projekte „Kunterbunt" und „Neustart" ins Leben gerufen.
In einem Zimmer des JSV im Strausberger Mühlenweg 6 herrscht reger Betrieb: Ein halbes Dutzend Frauen mit Kopftüchern arbeitet an Nähmaschinen, vergleicht Schnittmuster und bespricht fertige Arbeiten. Zuletzt wurden schicke Taschen für Einkäufe in Eigenarbeit hergestellt. „Einige geben sie Nachbarn und Bekannten", weiß Arbeitsanleiterin Ramona Fischer. Mit Unterstützung des Jobcenters begann sie vor einem Jahr, die Frauen aus Syrien und Afghanistan mit dem Projekt „Neustart" zu begleiten. „Es ist eine hervorragende Zusammenarbeit. Sie haben sich von absoluten Anfängern zu Fortgeschrittenen entwickelt und arbeiten auch viel selbstständig", so Fischer.
Von den Grundlagen, ersten Papiervorlagen und selbst gestalteten Behältern für das Nähzeug über Nadelkissen, Kissen, Taschen, Luftballonhüllen für Kleinkinder bis zu Requisiten für das hauseigene Theater fertigen die Frauen viel an. Oft helfen sie sich gegenseitig mit Englisch weiter und diejenigen, die schon mehr verstehen, übersetzen für ihre Mitstreiterinnen. Wie die JSV-Vorsitzende Heidemarie Schulze erklärt, solle mit dem Projekt arbeitslosen Müttern eine sinnvolle Beschäftigung gegeben werden.
Nachdem nun Förderungen auslaufen, werben die Organisatoren um Unterstützung jeglicher Art. „Leider sind die Förderungen nach dem ersten Jahr ausgelaufen, sodass wir auf der Suche nach Unterstützern sind", so Schulze. Ob Stoffspenden, Nähzeug oder Geldspenden bis tatkräftiges Anpacken – alles kann helfen. Mit eigenen Mitteln schafften die Organisatoren des JSV extra sechs Nähmaschinen für „Neustart" an. Der Stimmung und guten Laune ist schnell anzumerken, wie gut die Arbeit bei den Teilnehmerinnen ankommt. Jeweils dienstags und donnerstags von 9 bis 12 Uhr wird gemeinsam genäht.
Die Geflüchteten leben in Strausberg und kümmern sich die meiste Zeit um ihre Kinder. Während sich die Mütter bei der Handarbeit betätigen, werden ihre Kinder im Projekt „Kunterbunt" betreut. Zeitgleich zu „Neustart" wurde es vor einem Jahr als Spiel- und Lernprojekt für Kinder und Mütter mit Fluchterfahrung initiiert, wie Heidemarie Schulze ausführt. Die Bundesfreiwilligendienstleistenden Viktorija und Xenia bringen den Kindern einen geregelten Tagesablauf bei. Dem gemeinsamen Essen und Waschen folgen allerlei spielerisch-sportliche Aktionen. Dabei lernen die Jüngsten nicht nur miteinander umzugehen, sondern auch gleich noch die deutsche Sprache. „Als Dankeschön für unsere Arbeit haben die Eltern und Kinder dieses Alphabet der arabischen Sprache gestaltet", sagt Heidemarie Schulze und deutet auf eine große Wandtafel im Eingangsbereich.
Es herrscht viel Betrieb am Mühlenweg: Junge Mütter üben mit ihren Kindern in der Mutter-Kind-Sport-Gruppe, und die „Mühlenwichtel" räumen den Frühstückstisch ab, um sich neuen Aktivitäten zu widmen. Doch es gibt noch mehr: Vor allem an die jungen Eltern richtet sich das einmal wöchentlich stattfindende Angebot von Sabine Brosch. „Ich unterstütze sie bei ihrer beruflichen Entwicklung von Jobsuche, Kommunikations- und Bewerbungstraining bis zu Fragen, welche die Mütter besonders beschäftigen, wie Haushaltsplanung", umreißt Brosch.
Um den Kindern auch draußen auf dem JSV-Gelände ein attraktives Angebot zu bieten, wurde ein kleiner Spielplatz aufgebaut. „Doch hier gibt es noch viel zu tun", so Brosch und Schulze. Zwar haben beispielsweise die Mitarbeiter des Kommunalservice Strausberg (KSS) bereits viel getan, doch mit Carport, Gerätehäuschen und Steinfläche sprechen sie nur einige Baustellen an. „Wir freuen uns über jede Unterstützung von Material und Ideen bis zum Selbstanpacken", so Heidemarie Schulze und Sabine Brosch.

BU 1: Ein Ort kreativen Handwerks: Ramona Fischer (Mitte hinten) bei der Arbeit mit den Teilnehmerinnen des Projekts „Neustart".    Foto: sd

BU 2: Kinder, Eltern und Mitarbeiter des JSV bei einer der spielerisch-sportlichen Aktionen.     Foto: sd
 

 
 

 

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