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Ein Park zum Spielen ist den Kids wichtiger, während sich die Großen um das Viertel sorgen

Parkfläche wird Park-Fläche

Datum: 16.06.2017

Eberswalde (lo). Erzieherin Jenny Wörpel wird einfach überrannt. Doch im Gegensatz zu den Erziehungsprinzipien der Kita „Arche Noah“ im Brandenburgischen Viertel ist ihr das auch ganz Recht: Immerhin rannten glückliche Kinder an ihr vorbei, hinaus in ihren kleinen Park, direkt vor der Tür.
Bis zum Jahr 2015 war dies ein wenig genutzter, betonierter Parkplatz. Als Wörpel davon las, dass für Konversionsprojekte Fördermittel ausgeschrieben würden, beriet sich mit der Kirchengemeinde als Träger der Arche und mit dem damaligen Ortsteilvorsteher Carsten Zinn. Sie bewarb sich kurzerhand mit der Idee, aus dem Parkplatz einen Spielplatz zu machen – und zwar einen ganz besonderen: Nicht Buddelkästen und Klettergerüste sollte es geben, sondern Gras und Wiese, Bäume und Sträucher, auch riesige Holzbänke zum Herumtoben.
Partner waren schnell gefunden und ebenso schnell von der Idee begeistert. Die WHG Wohnungsbau- und Hausverwaltungs- GmbH als Eigentümerin des Geländes spendete Jungpfl anzen im Wert von 800 Euro, die „Stiftung Waldwelten“ kam mit Studenten der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) dazu, um die „richtigen“ Pflanzen und Bäume auszusuchen. „Warum sollen die Kinder erst zu uns in den Forstbotanischen Garten kommen, um einen Baum zu sehen, wenn wir ihnen den auch vor die Tür pfl anzen können“, so Professor Harald Schill, Präsident der Stiftung. Wenig später war es soweit: Gemeinsam mit ihren Eltern kamen die Knirpse genau vor zwei Jahren zu einem „Pflanztag“, der aus der einen Parkfl äche eine ganz andere Park-Fläche machte.
Das Projekt hat sich herumgesprochen. So sehr, dass das „Netzwerk Soziale Stadt“ darauf aufmerksam wurde, in dem auch Eberswalde vertreten ist. Das Netzwerk beleuchtet durch verschiedene Aktionen die „unterschiedlichen Perspektiven auf das soziale Zusammenleben in benachteiligten Quartieren“. Da passte der neue Kinderpark genau, denn schließlich haben die Kids eine ganz andere „Perspektive“ auf ihren Park, als autobesitzende Bewohner der umliegenden Häuser.
Das Netzwerk lud zu einer Führung durch das Brandenburgische Viertel ein. Mit dabei die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider, Stefan Zierke, SPD-Bundestagsabgeordneter des Barnim sowie weitere Abgeordnete bei Land und Bund. Sie wurden von Bürgermeister Friedhelm Boginski, Baudezernentin Anne Fellner, Sozialreferentin Barbara Bunge und weiteren Vertretern der Stadt begrüßt.
Die Kinder ließen sich von der großen „Delegation“ nicht stören, im Gegenteil. Die Gäste wurden die Gäste sofort in ein Fussballspiel einbezogen oder mussten Puppenwagen schieben. Widerspruch? Unmöglich! Spontan, ungeniert und nicht einstudiert, etwa weil eine Ministerin kommt - auch wenn „die großen Bänke in der Tat erst gestern aufgestellt wurden“, lächelt Wörpel. Bei dem vergleichsweise hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in der „Arche Noah“ waren Zuzug aus Berlin, Teilhabe, Integration, Umgang mit Geflüchteten, Stigmatisierung und Fremdenfeindlichkeit, ebenfalls Themen dieser Abgeordnetenreise und hautnah zu spüren.
Von solchen Problemen erfuhren die Besucher auch durch einem Kurzvortrag von Dr. Stefan Schanzenbächer, Projektmanager beim Anti-Gewalt-Projekt „Boxenstopp“. Er musste in erster Linie die Finanzierungslücken der Initiative benennen, obwohl die Aufnahme von Themen wie „Gewaltprävention“ oder „Bildung zur Akzeptanz von Vielfalt“ in den schulischen Rahmenlehrplan ihn zuversichtlich stimme.
Im Anschluss besuchte die Gruppe den Potsdamer Platz, lies sich über die Entwicklungen und Perspektiven der Grundschule Schwärzesee und im Vereinshaus Havelstraße informieren. Dort traf man dann auch einige der Bürger, die vom Netzwerk als „benachteiligt“ gesehen werden. Denen schmeckte das Bier auch schon am Vormittag ganz gut. Auch als Fernsehbeitrag auf: www.odf-tv.de

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