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Ein Gastbeitrag von Hermann Herlinghaus und Barbara Lorenz

Der Straussee kann nicht sprechen

Datum: 14.07.2017
Rubrik: Gesellschaft

Strausberg. Die Architektin Barbara Lorenz und Prof. Dr. Hermann Herlinghaus, der an der Universität Freiburg unter anderem zu ökologischen Fragen arbeitet, recherchierten zum Thema Wasserverlust im Straussee. Angesichts der aktuell noch ausstehenden Studie, welche Ursachen aufdecken soll, sind die beiden Fachleute und besorgten Strausberger zu deutlichen Ergebnissen gekommen. So gibt es bereits Untersuchungen, die mehrere Gründe für den Wasserschwund aufzeigen. Ihrer Ansicht nach sind wirksame Schritte sofort nötig und möglich: die Akteure, die regelmässig größere Wassermengen entnehmen, sollten sich gemeinsam mit der Stadt zunächst über Schadensbegrenzung verständigen.

Der Wasserverlust des Straussees ist nicht neu. Bereits im Dezember 2009 wurde vom Leibnitz-Zentrum für Agrarlandforschung (ZALF) e. V. eine seriöse Studie mit dem Titel „Vorstudie für eine Machbarkeitsstudie ‘Stabilisierung des Wasserhaushaltes des Straussees’ " vorgelegt. Darin wird auf die „Abnahme der Niederschläge und Zunahme der Sommertemperaturen" und andere klimatologische Daten verwiesen und wortwörtlich gefolgert: „Dies allein kann die sinkenden Wasserstände des Straussees jedoch nicht vollständig erklären".
Die Studie verdient einen genaueren Blick. Hier nur einige Details. Der Straussee steht „im engen hydraulischen Kontakt mit dem Grundwasser des oberen Grundwasserleiterkomplexes (GWLK 1)". Zwar fördern die Wasserwerke aus dem tieferen Grundwasserleiterkomplex (GWLK 2), doch ist aufgrund der überwiegend sandigen Sedimente im See- und Umgebungsbereich eine hydraulische Verbindung zwischen See, GWLK 1 und GWLK 2 nicht ausgeschlossen.
Auf jeden Fall förderte das Wasserwerk Strausberg bereits vor 2009 laut wasserrechtlicher Erlaubnis bis zu 6.000 Kubikmeter täglich. Aus demselben Grundwasserleiter förderte zu jener Zeit das Wasserwerk Bötzsee bis zu 9.000 Kubikmeter am Tag. Wer heute von der Umgehungsstrasse direkt nach Spitzmühle fährt, kann zwölf Trinkwassergewinnungsanlagen sehen, die vom Wasserwerk in einer circa einen Kilometer langen Schneise direkt bis etwa 500 Meter vor den Straussee gelegt worden sind. Zugänglichen Angaben zufolge leistet dieses Wasserwerk heute den „grössten Anteil an der Gesamtförderung von Trinkwasser im Verbandsgebiet". 2015 und 2016 wurden von dort jeweils etwa drei Millionen Kubikmeter ins Netz gespeist, entsprechend einer täglichen Fördermenge von 8.220 Kubikmetern. Nicht zufällig empfiehlt die Studie eine genauere Untersuchung der Auswirkung der Förderung auf den Seewasserstand des Straussees.
Des weiteren steht zu lesen, dass zur saisonalen Bewässerung des Golfplatzes Wilkendorf laut wasserrechtlicher Erlaubnis vom Juni 1997 bis zu 2.200 Kubikmeter Grundwasser täglich entnommen werden dürfen. Das entspricht einem Volumen von drei bis fünf Einfamilienhäusern am Tag. Abgesehen davon stellt sich die Frage, ob diese Entnahmen überhaupt mit dem wasserrechtlichen Limit abgeglichen sind und ob die wasserrechtlichen Genehmigungen der inzwischen zugespitzten Situation gerecht werden. Und wurde die Obere Wasserbehörde beziehungsweise das Landesamt für Umwelt dazu befragt?
Bekannt aus aktuelleren Verlautbarungen ist, dass die Sparkasse Strausberg zum kostengünstigen Betrieb ihrer Klimaanlage in der Sommerzeit seit 20 Jahren täglich bis zu 350 Kubikmeter aus einem Tiefbrunnen neben dem See saugt. Auch diese nicht in den See zurückgeleitete Menge ist erheblich, sie entspricht immerhin dem Inhalt eines kleinen Einfamilienhauses täglich. Zu erfahren war kürzlich, dass das Kühlsystem der Sparkasse umgestellt werden soll, doch die Planungsphase hätte erst begonnen und konkrete Schritte wären noch nicht in Sicht.
Es handelt sich in den drei genannten Fällen um Grundwasserentnahmen größeren Ausmaßes. Die Untersuchung von 2009 endet mit der Schlussfolgerung, dass eine detailliertere Ursachenanalyse nur dann erforderlich wird, wenn nachgewiesen werden kann, dass diese größeren Entnahmen keinen Einfluss auf den Wasserstand des Sees haben. Das jedoch scheint sehr unwahrscheinlich. Wenn alle „seriösen Kriterien" in die nun aktuell von der Stadt Strausberg geplante Studie einfließen sollen (wie es die Bürgermeisterin jüngst formulierte), wäre es nicht angezeigt, gerade auch den Bericht des Leibnitz-Zentrums zu berücksichtigen?
Weitere Faktoren sind zweifellos am Wirken: So die massive Bodenverdichtung, die in weiten Teilen der Region durch industrielle Anlagen und Privatbauten sowie durch derzeitigen Land- und Forstwirtschaftsbetrieb vorangetrieben wird. Jedenfalls befinden sich die Untersuchungen längst nicht mehr am Punkt Null. Auf der Tagungsordnung steht dringend Schadensbegrenzung und hierfür ist ein gemeinsames Interesse von Stadt, Betreibern und Bürgern vorauszusetzen.
 
Seitens der Mitarbeiter der Stadtverwaltung werden zum ersten und zum 15. eines Monats Pegelmessungen vorgenommen. Die Daten sind unter www.stadt-strausberg.de auf der Startseite einsehbar.

BU: Noch vor drei Jahren stand der Pegel bei 1,30 Meter und darüber, zuletzt bei 89 Zentimetern.     Foto: sd
 

 

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