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Neuenhagen beging Hans Falladas 124. Geburtstag - Bronzerelief soll ihm zu Ehren aufgestellt werden

Auf Falladas Spuren

Datum: 28.07.2017
Rubrik: Kunst & Kultur

Neuenhagen (lh/cm). Hans Fallada, das ist ein Name, den jeder kennt. Seine Eltern gaben ihm den bürgerlichen Namen Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen. Sein Pseudonym setzte sich der junge Schriftsteller aus den Grimm’schen Märchen „Hans im Glück“ und „Die Gänsemagd am Brunnen“ zusammen“. Im letzteren verkündet das Pferd Falada, dessen Kopf abgeschlagen wurde, solange die Wahrheit, bis die Magd zu ihrem Recht kommt. Fallada gilt als einer der bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts. Auf Anraten seines Verlegers zog Fallada mit seiner Frau Anna Ditzen und dem Sohn nach Neuenhagen in die neugebaute Arbeitersiedlung „Grüner Winkel“, hier entstand vor 85 Jahren auch sein Welterfolg, der Roman „Kleiner Mann - was nun?“In diesem Jahr wird vielerorts sein 124. Geburtstag und sein 70. Todestag begangen. In Neuenhagen gibt es jetzt schon im dritten Jahr den Fallada-Rundgang, organisiert von der Anna-Ditzen-Bibliothek mit Unterstützung der Gemeinde. „Hans Fallada war ein sehr arbeitsamer Mensch, er begann schon früh um 5 Uhr zu arbeiten und kümmerte sich, während seine Frau den Haushalt besorgte, um den Sohn“, weiß Bibliotheksleiterin Stefanie Reich. In der Siedlung hatte er den Beinamen „der Arbeitslose mit dem Kind“. „Die Leute dachten, dass er sich um das Kind kümmert und die arme Frau das Geld für die Familie verdienen muss.“ All diese Informationen erfuhren die Besucher auf dem diesjährigen Spaziergang. Thomas Mees, Buchrestaurator und Archivar der Neuenhagener Bibliothek, beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit Fallada, kennt seine Werke, hat unzählige Publikationen über ihn gelesen und weiß, welche Bedeutung sein Schaffen hatte. 1932 erschien der „kleine Mann“. Schnell wurde die Filmindustrie auf den Roman, der dieser Zeit einer der meistgelesenen war, aufmerksam. Unter der Regie von Fritz Wendhausen wurde Falladas Werk verfilmt. Die gleichnamige Titelmelodie wurde von den Comedian Harmonists gesungen. Doch der Film musste durch die nationalsozialistische Zensur und viele Szenen, so auch alle mit den Comedian Hamonists wurden rausgestrichen. Die Schellackplatten kamen nie in den Verkauf, doch einige Exemplare wurden für die Werbung schon vorproduziert. Heute sind diese Platten wahre Raritäten. Eine ist seit kurzem in Besitz von Thomas Mees. Bei einem Antiquitätenhändler in Frankfurt am Main hat er sie entdeckt. „Das war mein Geschenk an mich selbst zum meinem 65. Geburtstag. Als ich sie das erste Mal gehört habe, hätte ich fast geweint.“ Auf einem alten Platenspieler spielte Mees die Platte den Teilnehmern des Rundgangs vor und es war, als würde die Zeit stehen bleiben. „Das war eine Weltpremiere“, erklärte der Fallada-Experte seinem Publikum.Der Rundgang führt durch den historischen Kern von Neuenhagen, dort entlang, wo man Fallada vor 85 Jahren hätte antreffen können. Entlang der Speyerstraße bis hin zur Kirche, die damals Lebensmittelpunkt des Dorfes war, vorbei am ehemaligen Krankenhaus und dem Kolonialwarenladen Möser bis hin zum Friedhof, wo weitere wichtige Persönlichkeiten, die Neuenhagen geprägt haben, ihre letzte Ruhe gefunden haben. Wie der langjährige Ortsvorsteher Carl Schmäcke, Lehrer Lübke oder Oskar Zeller, der mit Themistocles Gluck in Tierexperimenten die Grundlage für chirurgische Behandlungen von Harnblasentumoren schuf.Fallada lebte in der Hausnummer zehn, die Siedlung ist heute nach dem berühmten Bewohner benannt. Eine Gedenktafel erinnert daran, dass der Autor hier einst gelebt und gearbeitet hat. Der Wegendorfer Kunstgießer Wilfried Hann und der Neuenhagener Künstler Michael Klein wollten Hans Fallada – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Denkmal setzen mit einem Bronzerelief, das Fallada und seine Frau zeigt. In Auftrag gegeben hat es der Bürgerverein Bollensdorf. Eigentlich sollte das Relief kürzlich, unter der Anwesenheit von Hans Sohn, Achim Ditzen, Minister Jörg Vogelsänger, Bürgermeister Jürgen Henze und dem SPD-Bundestagskandidat Stephen Ruebsam feierlich enthüllt werden, doch die Denkmalschutzbehörde legte ihr Veto ein. Das große Relief passe nicht in die kleinteilige Struktur der Siedlung. Nun gibt es Überlegungen, das Relief im Garten vor dem Haus oder direkt an der Hauptstraße neben dem Hinweisschild anzubringen. Jürgen Henze verkündete, dass man seitens der Gemeinde, vorbehaltlich des Votums der Gemeindevertreter vorhabe, das einstige Wohnhaus von Fallada zu mieten und es Besuchern als eine Art Museum zugänglich zu machen. Der nächste Fallada-Rundgang findet erst wieder am 125. Geburtstag des Autors, am 21. Juli 2018 statt.

BU: Der Spaziergang startete vor der Hausnummer zehn im Falladaring. Die kleine Straße hieß zu Zeiten des Schriftstellers noch „Grüner Winkel“.

Foto: lh

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