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Oderländer Andreas Steinert fuhr 14 Tage auf der „Sea Eye“ mit

Auf humanitärer Mission

Datum: 18.08.2017
Rubrik: Gesellschaft

Bad Freienwalde (ma). In den letzten Monaten hatten die Nichtregierungsorganisationen (NGO), die im Mittelmeer Flüchtlinge vor dem Ertrinken retteten, mit schweren Vorwürfen zu kämpfen. Die italienische Regierung warf einigen von ihnen vor, mit Schleusern zusammenzuarbeiten. Die NGOs haben diese Vorwürfe stets bestritten und betont, dass sie mit der italienische Koordinierungsstelle „MRCC Rom“ zusammenarbeiten. Ihr einziger Auftrag sei Schiffbrüchige und Ertrinkende auf ihrer lebensgefährlichen Überfahrt durchs Mittelmeer zu retten.
Neues Ungemach droht den Helfern nun von der libyschen Regierung, die eine einseitige Ausdehnung ihrer Hoheitsgewässer angekündigt hatte. Sie verband dies mit einer Drohung an die privaten Hilfsorganisationen. Wie viele NOGs, darunter „Ärzte ohne Grenzen“, hat auch die Hilfsorganisation Sea-Eye e.V., beschlossen ihren Einsatz vorerst abzubrechen. Sie war mit zwei Schiffen im Mittelmeer im Einsatz.
„Nun es gibt es praktisch keine Rettungen mehr, weil niemand mehr kommt. Die Ursache liegt an einem Deal zwischen Italien und Libyen. Seit Wochen ist die italienische Marine in libyschen Territorialgewässern unterwegs, fängt die Flüchtenden ab und bringt sie völkerrechtswidrig nach Libyen zurück“, erzählt der Oderländer Andreas Steinert.
Er war im Juli dieses Jahres 14 Tage mit der „Sea Eye“ auf dem Mittelmeer und hat die humanitäre Katastrophe die sich vor der Libyschen Küste abspielte mit eigenen Augen gesehen: Seeuntüchte Schlauchboote die manövrierunfähig im Meer dümpelten, die von Scheusern einfach ihrem Schicksal überlasen wurden. „Es ist den Schleusern egal ob die Menschen ersaufen. Solange sie damit ihr Geld verdienen“, sagt Steinert. Und die Flüchtenden hätten keine andere Wahl. Die Erzählungen von aus Seenot Geretteten, die libyschen Lagern entkommen sind, lassen ihn nicht mehr los. Folter, Prügel und Vergewaltigungen seinen dort an der Tagesordnung.
Menschen aus den Schlauchbooten hatte die „Sea Eye“ nicht an Bord genommen, dazu ist das Schiff zu klein. Die Besatzung beschränkte sich darauf, Erste Hilfe zu leisten, die Flüchtenden mit Schwimmwesten und Wasser zu versorgen bis ein größeres Schiff kam und sie abholte.
Es war im Oktober 2014, als die EU-Mission „Mare Nostrum“ endete. Als an einem einzigen Tag mehrere hundert Flüchtlinge im Mittelmeer ertranken, gab es einen medialen Aufschrei. Das war praktisch die Gründungsstunde der privaten Retter, die dem Sterben im Mittelmeer nicht länger zusehen wollten. Für Andreas Steinert ein Grund sich tiefer mit dem Thema zu beschäftigen. Er fand, dass genug geredet worden sei und man handeln müsste. Zuerst bewarb er sich bei den großen Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ oder „Sea Watch“. Diese haben aber mittlerweile feste Crews oder suchen Spezialisten. Steinert bewarb sich bei Sea-Eye e.V. und gab als Spezialisierung an, dass er ursprünglich Koch sei. „Ein Koch ist der wichtigste Job auf einem Schiff“, sagt er lachend. Ein wenig Seeluft hatte er auch schon geschnuppert.
Am 4. Juli stieg er ins Flugzeug nach Malta und ist nun um Erfahrungen reicher zurück.

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