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Erstmals seit 130 Jahren wird die Stadtkirche umfassend innen saniert – Denkmalschutz spielt wichtige Rolle

An den alten Kirchenbänken ist wenig zu rütteln

Datum: 01.12.2017

Altlandsberg (sd). Seit Oktober finden viele der Veranstaltungen, die sonst in der Stadtkirche durchgeführt wurden, in der benachbarten Schlosskirche statt. Grund dafür ist eine umfangreiche Innensanierung, bei der vor allem eine Heizung installiert wird.
Der Gottesdienst zum Erntedankfest war die letzte Veranstaltung in der Altlandsberger Stadtkirche, bevor die Türen geschlossen und die Gerüste im Chorraum aufgebaut wurden. Ungewohnt ist der Anblick der komplett „verpackten" Orgel und des Kirchenschiffs ohne die typischen Holzbänke. Für den Einbau einer Fußbodenheizung wurde der alte Boden aus dem 19. Jahrhundert entfernt, sodass der ursprüngliche rote Ziegelboden aus dem Barock und dem 18. Jahrhundert wieder zutage gefördert wurde. Aktuell laufen noch archäologische Untersuchungen, da unter anderem Feuchtigkeit den Stein beschädigt hat. Es wurde auch deutlich, dass die Kanzel einmal gut fünf Meter weiter links im Kirchenschiff stand. „Ideal wäre es, den alten Boden komplett zu entfernen und mitsamt Fußbodenheizung einen neuen Boden einzusetzen", so Pfarrer Johannes Menard. Doch neben der Stabilität hat auch hier der Denkmalschutz noch ein Wörtchen mitzureden.
Am liebsten wäre es Pfarrer Menard, René Koht und Frank Drusche gewesen, wenn die alten Holzbänke entfernt und durch variable Bestuhlung ersetzt würden, damit bei Bedarf auch Tische gestellt werden können. „Doch der Denkmalschutz besteht darauf, dass die alten Holzbänke erhalten bleiben. Wir können sie nur von einem Tischler etwas anpassen lassen, damit es sich bequemer darauf sitzt", berichtet René Koht.
Wie Frank Drusche ergänzt, habe sich die Schlosskirche zunehmend zu einem Ort zahlreicher Konzerte entwickelt. Viele Stilrichtungen und Größen von Musikergruppen können die Mitglieder des Freundeskreises Stadtkirche Jahr um Jahr gewinnen. „Vor allem für Jazz-Konzerte wäre es toll, die Zuschauer kreisförmig um die Musiker zu platzieren", so Drusche. Bis die Stadtkirche wieder nutzbar ist, finden Konzerte, wie als nächstes das Weihnachtsoratorium an diesem Samstag und Sonntag in der Schlosskirche statt. Termine für die Sommerkonzerte nächstes Jahr seien schon reserviert, fügt Frank Drusche hinzu und verweist darauf, dass die Kirchengemeinde für die Nutzung der Schlosskirche ebenso Miete zahlen muss wie andere auch.
Mit der Fußboden- kommt auch eine Wandheizung. „Eine Fußbodenheizung ist das beste Mittel, Wärme in die Kirche zu bekommen und gleichzeitig ein Klima zu schaffen, das sowohl dem Holz als auch den Farben und dem Mauerwerk bekommt", weiß Menard, der sich intensiv mit der Materie auseinandergesetzt hat.
Zudem erhalten die Fenster eine zusätzliche Verglasung. Wurde es kalt, konnte teils gar nicht mehr durch die hohen Fenster geschaut werden, so beschlagen waren sie, wie nicht nur Menard sich erinnert.
Im Chorraum dominieren unterdessen die Gerüste. Teils wurde der Putz von den Wänden entfernt, um alte Bemalungen und Farben sichtbar zu machen. Im Rahmen der Sanierung soll auch gleich die farbliche Gestaltung überarbeitet werden. Konzepte lägen bereits vor, müssten jedoch noch genehmigt werden, wie Johannes Menard weiß. Im Deckenbereich sind Stellen erkennbar, an denen bereits früher der helle Putz entfernt wurde, um darunterliegende Darstellungen frei zu legen. Möglicherweise können diese ursprünglichen Bilder saniert werden. „Eventuell wird der Raum auch komplett überstrichen – das muss noch entschieden werden", so Menard mit Blick auf eine markante Stelle im Chorraum. Hinter dem Altar wurde bei einer Umgestaltung der Kirche vor etwa 130 Jahren ein knapp fünf Meter hoher Abschnitt komplett mit Teer versehen. „Was da drunter ist, werden wir wohl nicht erfahren, da die Verfahren zur Teerentfernung zu aufwändig sind und ein Erfolg wenig wahrscheinlich ist", weiß der Stadtpfarrer. Verschiedene Lösungen wurden schon versucht und durchgesprochen, ohne Erfolg. Aufgrund eindringender Feuchte war die Verteerung das probateste Mittel, das damals zur Verfügung stand.
Läuft alles nach Plan, ist die Sanierung pünktlich zu Weihnachten 2018 abgeschlossen. Insgesamt 900.000 Euro werden investiert, wovon rund 250.000 Euro Fördermittel sind. Unter anderem soll eine kleine Tonglocke verkauft werden, um die Sanierung zu unterstützen. Eine Miniatur des bekannten Taufsteins aus Rüdersdorfer Kalk umzusetzen, erwies als zu schwierig.

BU: Ungewohnter Blick: Johannes Menard deutet auf den abgetragenen Kirchenboden, während der Chorraum im Hintergrund eingerüstet ist.     Foto: BAB/sd
 

 

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