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Mehrfach angedacht wurden erste Stolpersteine in der Gemeinde verlegt – Erinnerung an deportierte Juden aus Herzfelde

Einzelschicksale erinnern und mahnen

Datum: 05.04.2018
Rubrik: Gesellschaft

Herzfelde (sd). Geht es um die Opfer des Holocaust wird oft von einer kaum fassbaren Menge an Menschen gesprochen. Das Geschehene greifbarer machen oft Einzelschicksale, an die mit sogenannten Stolpersteinen erinnert wird.
Auch in Rüdersdorf lebten jüdische Familien, die während der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden. Bisherige Überlegungen, an ihren letzten Wohnorten mit Stolpersteinen an diese Mitbürgerinnen und Mitbürger und ihre Schicksale zu erinnern kamen jedoch nicht weit: „Die Redenstraße in Kalberge exisitert nicht mehr, also gibt es keinen passenden Ort für die Stolpersteine", erinnert Bürgermeister André Schaller. Lange ruhten die Überlegungen zu Setzung eines Zeichens der Erinnerung und Mahnung in der Gemeinde, bis eine eher zufällige Begebenheit nach Herzfelde führte.
Der gebürtige Moskauer Dmitri Silbermann aus Spandau hat ein ungewöhnliches Hobby: Er sammelt Postkarten und Schriftstücke aus der Zeit des zweiten Weltkriegs. Wie er sagt, werde die Vergangenheit durch solche persönlichen Stücke viel greifbarer. Eine Postkarte war von Max Jakobsthal verschickt worden. Vor etwa zwei Jahren fand Silbermann bei seinen Recherchen die Verbindung zu Liesel Becker, der Nichte Jakobsthals, welche er eines Morgens anrief. Die 85-Jährige Becker lebt inzwischen in Neustadt an der Weinstraße und erinnerte sich noch, wie sie Max Jakobsthal in Kindertagen kennenlernte.
„Erst später erfuhr ich, dass Max Jakobsthal in das KZ Sachsenhausen gekommen ist, wo er nur drei Tage nach seinem 42. Geburtstag ermordet wurde. Seine Mutter Karoline fand den Tod im KZ Theresienstadt", berichtet Becker.
Bei ihren Nachforschungen fanden Silbermann und Becker einiges über die Schicksale Max Jakosbsthals und seiner Mutter heraus. Sogar die Datensammlung des Zentralregisters der Opfer des Holocaust konnten die beiden ergänzen. Bewegt von diesem Einzelschicksal, beschlossen sie, Stolpersteine zum Gedenken anzuregen. „So können wir Individuen aus der grauen Masse Holocaust herausnehmen und die Geschichte in die Gegenwart holen", so Becker. Zuletzt wohnten die beiden Jakobsthals in der Strausberger 29 in Herzfelde, wo entsprechend zwei Stolpersteine auf die ehemaligen Bewohner aufmerksam machen.
Zahlreiche Interessierte wohnten dem kleinen Festakt bei. Herzfeldes Ortsvorsteherin Gesa Soballa und Angelika Schickert vom Herzfelder Heimatverein erinnerten in ihren Grußworten an die Bedeutung für den Ort und seine Geschichte. Auch deutete Schickert an, dass die Mitglieder des Heimatvereins weiter an Schicksalen jüdischer Bewohner forschen wollen. Für den musikalischen Rahmen sorgten indes Vertreter der Rüdersdorfer Bergkapelle. Eigens für die Setzung der Stolpersteine hatte Liesel Becker die Postkarte und ein Foto ihres Onkels als größere Ausdrucke dabei. Mit ihren Ausführungen zu den Nachforschungen, mit denen sie auch ein Stück eigener Familiengeschichte kennenlernte, bewegte Becker die Anwesenden. Wie sie erklärte, sei in ihrer Familie kaum über das Schicksal ihres Onkels gesprochen worden. Giesela Jakobsthal, die sie begleitete, lernte Becker übrigens erst bei der Steinsetzung persönlich kennen.
Für Rüdersdorf die allerersten Stolpersteine, hat Günter Deming seit 1997 bereits mehr als 68.000 der besonderen Erinnerungssteine in 21 Ländern verlegt. Dabei war die Lösung als Stolperstein eher zufällig enstanden, da Tafeln an den Wohnhäusern mit zu vielen Einwänden und Auflagen verbunden seien, wie Demnig erklärte. Sogar eine Stiftung hat der Künstler ins Leben gerufen, damit sein Beitrag zur Erinnerung und Mahnung noch viele Jahre bestehen kann.
Wie André Schaller ausführte hatten im Ort 1933 noch 37 jüdische Familien gelebt, 1945 keine mehr. Zwei Schüler des Heinitz-Gymnasiums erinnerten an die ehemaligen Rüdersdorfer in dem sie eine Namensliste mit Geburts- und Sterebdaten – soweit bekannt – sowie Erinnerungen an das KZ von Dr. Oskar Moos verlasen. Weitere Stolpersteine in der Gemeinde sollen folgen.
Einen Eindruck von der Verlegung gibt der Beitrag des ODF Lokalfernsehens. Einfach dem Link folgen und ansehen: http://www.odf-tv.de/mediathek/30137/Erstmals_Stolpersteine_in_Herzfelde.html

BU: Letzte Handgriffe: Günter Demning (links) setzte die Stolpersteine vor den Gästen ein. Unter ihnen auch Liesel Becker (sitzend, Dritte von links) und Giesela Jakobsthal (daneben sitzend). Foto: BAB/sd
 

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