Nachrichten - Ratgeber

Sabine Hein, Fachanwältin für Arbeitsrecht

Überstunden und Mehrarbeit

Datum: 11.05.2017
Rubrik: Ratgeber

Bernau/Eberswalde (e.b.). In Arbeits- oder Tarifverträgen fi nden sich regelmäßig die Begriffe der Überstunden und Mehrarbeit. Überstunden leistet der Arbeitnehmer, der über die für sein Arbeitsverhältnis geltende Arbeitszeit hinaus arbeitet. Dagegen versteht man unter Mehrarbeit diejenige Arbeitsleistung, die der Arbeitnehmer über die im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) geregelte normale gesetzliche tägliche Arbeitszeit von acht Stunden hinaus leistet. Sofern keine ausdrückliche Vereinbarung besteht, hat der Arbeitnehmer nur die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit zu erbringen. Eine gesetzliche Verpfl ichtung zur Ableistung von Überstunden existiert nicht. In diesem Fall sind Arbeitnehmer nur ganz ausnahmsweise verpfl ichtet, Überstunden zu leisten. Dies gilt etwa für Notfälle oder sonstige unvorhersehbare Fälle, die zur kurzfristigen Abwehr von Gefahren für den Betrieb oder zum Schutz der betrieblichen Interessen erforderlich sind. Sofern der Arbeitgeber sich die Möglichkeit offen halten will, Überstunden anzuordnen, muss er dies also im Arbeitsvertrag ausdrücklich regeln. Was die Vergütung von Überstunden angeht, so nimmt das Bundesarbeitsgericht (BAG) an, dass der Arbeitnehmer Vergütung für Überstunden fordern kann. Umgekehrt kann der Arbeitnehmer nicht eigenmächtig Überstunden leisten und dafür gegen den Willen des Arbeitgebers eine Vergütungspfl icht herbeiführen.Für Arbeitgeber ist es aber oft von erheblicher Bedeutung, die Arbeitnehmer bei zusätzlichem Arbeitsbedarf zu Überstunden heranziehen zu können. Fehlen hierzu Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen, müssen die Regelungen in den Arbeitsverträgen getroffen werden. Die Höchstgrenze für die tägliche Arbeitszeit beträgt zehn Stunden nach dem Arbeitszeitgesetz § 3 Satz 2 ArbZG, wobei leitende Angestellte von diesem Grundsatz ausgenommen sind. Anordnungen von Überstunden, die hierüber hinausgehen, verstoßen gegen ein gesetzliches Verbot und können somit von Arbeitnehmern sanktionslos verweigert werden.

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