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Vize-Bundestagspräsidentin Petra Pau las aus ihrem Buch „Gottlose Type“

„Unfrisierte Erinnerungen“

Datum: 15.02.2018
Rubrik: Kunst & Kultur

Bad Freienwalde (ma). Bei der Titelwahl ihres Buches „Gottlose Type“ half ihr ein Ereignis am 19. Dezember 2003. Es sei der Tag gewesen, als sich der Deutsche Bundestag zu seiner letzten Sitzung des Jahres traf. Nach dem Motto „Alles muss raus“, sollte entschieden werden, was ab dem 1. Januar 2004 gelten sollte. Entsprechend prall sei die Tagesordnung gewesen, erinnert sich Petra Pau. Die Bundestagsabgeordnete der Links-Partei und Vize- Bundestagspräsidentin las in der vergangenen Woche in der Konzerthalle in Bad Freienwalde aus ihrem Buch.
Am frühen Morgen des besagten 19. Dezember erhielten die Abgeordneten rund 600 Seiten überarbeiteten Gesetzestext. Drei Stunden später wurde die Plenardebatte zu diesen Vorlagen eröffnet. Gemeinsam mit Parteikollegin Gesine Lötzsch beantragte Petra Pau die Abstimmung zu verschieben. Denn keiner der Abgeordneten konnte in dieser kurzen Zeit die Texte gelesen, geschweige denn die Inhalte verstanden haben. Sie schlugen eine Sondersitzung am folgenden Montag vor. Ein Fluch schallte darauf hin durch den Plenarsaal „Gottlose Type“, schließlich stand Weihnachten vor der Tür. Bis auf die zu dieser Zeit einzigen beiden Abgeordneten der Partei „Die Linke“, plädierten alle Fraktionen für eine sofortige Abstimmung. „So trat ein Gesetz in Kraft, dass bald Millionen Bürger in Armut treiben und Sozialgericht hoffnungslos überlasten sollte“, erklärte Petra Pau die Geburtsstunde des Hartz IV Gesetzes.
Später hätte Berlins Sozialsenator Thilo Sarrazin vorgerechnet, dass man sich von 4,20 Euro gesund und wertstoffreich ernähren könne. Das solle für Arbeitslose reichen, zitierte die Bundestagsabgeordnete. Der Tagessatz für Polizeihunde hätte allerdings zur selben Zeit, von Amtswegen, bei 6,80 Euro gelegen.
Die 53 Geschichten in dem Buch sind Erinnerungen der Abgeordneten, die sie über ihre Zeit im Bundestag sammelte. Dort werden Fragen beantwortet, die ihr immer wieder gestellt wurden. Nach ihren Themen, wie es als Vize-Präsidentin des Bundestages sei, ob sie auch einmal in Urlaub fahre oder ob es über Parteigrenzen hinweg Freundschaften gäbe. Auch Niederlagen, die sie erlitten hätte, seien verarbeitet worden. In der Regel sei das in der eigenen Partei oder der eigenen Fraktion geschehen. Es sei ihre Sicht auf die Dinge im Bundestag, andere Kollegen hätten womöglich auch andere Erinnerungen, so die Autorin. „Unfrisierte Erinnerungen“, der Titel, geht auf die markante Kurzhaarfrisur von Petra Pau zurück. Bereits mit 17 Jahren als sie noch den Judo-Sport betrieb, lies sie sich die Haare abschneiden. Sie hatte es wohl satt, dass ihr immer jemand auf den Haaren herumstand. Inzwischen fi nde sie es einfach praktisch, wenn es morgens einmal schnell gehen muss. Das Foyer der Konzerthalle war bei der Lesung gut gefüllt.

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