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Saisonauftakt im Theater am Rand mit „Der Schimmelreiter“

Deichgraf trifft Deichgraf

Datum: 09.03.2018
Rubrik: Kunst & Kultur

Zollbrücke (ma). Freitag vergangener Woche war Saisonauftakt im Theater am Rand in Zollbrücke. Bereits am Vormittag wurde die Neuproduktion „Der Schimmelreiter“ nach Theodor Storms berühmter Novelle für Wriezener und Bad Freienwalder Gymnasiasten gespielt. Nach der Vorstellung am Abend, gab es unter dem Titel „Deichgraf trifft Deichgraf“ ein Publikumsgespräch mit Christian Schmidt, dem Regisseur des Stücks und Matthias Platzeck, dem langjährigen Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg. Platzeck wurde aufgrund seines Engagements beim Oderhochwasser 1997 vielfach als „Deichgraf“ bezeichnet, ebenso die Hauptfi gur des Stücks, der Schimmelreiter Hauke Haien. Vielleicht ist das Stück um den Kampf der Menschen mit sich selbst und den Naturgewalten dasjenige, das bisher am Besten in dieses Theater hinter dem Deich passt. Nur wenige Meter von der Oder gelegen ist der Spielort genauso möglichen Fluten eines Hochwassers ausgeliefert, wie Theodor Storms Protagonisten hinter den Nordseedeichen.
Die Lebensgeschichte von Hauke Haien (Christian Schmidt) beschreibt seinen Aufstieg vom Kleinknecht zum Deichgrafen und seinen Untergang. Bereits seit seiner Kindheit fasziniert ihn die See. Seine Naturbeobachtungen führen zu der Erkenntnis, dass es günstiger sei, die Deiche auf der Seeseite fl acher zu bauen, um einer Sturmfl ut eine geringere Angriffsfl äche zu bieten. Später wird er diese Ideen umsetzten. Hauke bekommt eine Anstellung als Kleinknecht beim alten Deichgrafen und verliebt sich in Folge in dessen Tochter Elke (Charlotte Puder). Es kommt zum Konfl ikt zwischen ihm und dem Großknecht Ole Peters, der ebenfalls ein Auge auf Elke geworfen hat. Als der alte Deichgraf stirbt, bewirbt sich Hauke um sein Amt. Nur durch Elkes Intervention beim Oberdeichgraf wird er zum Deichgraf ernannt, da er als Kleinknecht nicht über genügend Land verfügt. Hauke setzt nun seine neue Deichform in die Tat um. Das gefällt nicht allen, da es mit Traditionen bricht. Als er eines Tages mit einem mageren Schimmel auftaucht, brodelt die Gerüchteküche, zumal just in diesem Moment ein altes Pferdeskelett verschwindet. Am Ende des Stücks stirbt Hauke mitsamt seinem Schimmel, als er seine Frau und sein Kind in den Fluten des gebrochenen alten Deiches untergehen sieht. Ole Peters und der Aberglaube vieler Dorfbewohner hatten ihn davon abgehalten diesen zu sanieren.
Regisseur Christian Schmidt spielte an diesem Abend für den erkrankten Jan Krauter die Hauptrolle. Nach der Vorstellung eröffnete er die Publikumsdiskussion mit einem Zitat von Matthias Platzeck. Dessen traurigster Moment beim Oderhochwasser 1997 sei es gewesen, als man die Ziltendorfer Niederung verlor und die Wucht der Wassermassen spürte. Am 23. Juli war der Oderdeich bei Brieskow- Finkenheerd und einen Tag später bei Aurith gebrochen. Innerhalb weniger Tage wurde ein Gebiet von etwa 5.000 Hektar gefl utet. Platzeck zog einen Vergleich zum eben gesehen Stück und erzählte, dass man sich innerhalb kürzester Zeit dem Gerücht ausgesetzt sah, der Deich wäre absichtlich geöffnet worden, um Frankfurt/ Oder vor dem Hochwasser zu schützen. Im „Schimmelreiter“ führen Gerüchte und Aberglaube letztendlich in die Katastrophe. Platzeck beklagte aber auch, dass schon kurze Zeit nach dem Hochwasser das Vergessen einsetzte und viele von dem Spruch „Gebt den Flüssen mehr Raum“ nichts mehr wissen wollten. In Erinnerung blieb ihm aber auch, dass „angesichts der Katastrophe viele zusammengefunden hätten, so dass ihm das Herz aufgegangen sei“. Einige Besucher erzählten von ihren eigenen Erlebnissen in jener Zeit vor 20 Jahren, von dem Zusammenhalt und der großen Hilfsbereitschaft aus allen Teilen der Republik.
Einigkeit herrschte über die gelungene Inszenierung, die in keiner Minute langatmig wirkte. Viel Beifall gab es auch für die ungewöhnliche Musik von Friedrich Bassarak. Er unterstützte das Spiel mit Akkordeon und Mundharmonika.

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