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Bernauer Selbsthilfegruppe Trockenanker gibt Suchtkranken Halt, die trocken und clean sein möchten

Mit Kaffee statt Schnaps anstoßen

Datum: 08.06.2018
Rubrik: Gesellschaft

Bernau (fw). Stylische Menschen, die Aperol Spritz trinken auf Werbeplakaten, Zusammenkünfte, auf denen Sekt und Bier ganz selbstverständlich dazu gehören und alkoholhaltiges Konfekt in der TV-Werbung. Alkohol ist allgegenwärtig präsent und die Werbung dafür ist nicht verboten. Menschen, die alkoholabhängig sind, haben nicht nur einen leichten, zum Teil günstigen Zugang dazu, sie werden auch überall damit konfrontiert. Auch trockenen Alkoholikern wird es nicht gerade leicht gemacht, mit ihrer Sucht abzuschließen. Überall lauert die Versuchung und ein Rückfall droht. Meist wird dann zur Flasche gegriffen, wenn niemand da ist, mit dem man über den Suchtdruck, den Alltagsstress oder emotionale Herausforderungen reden kann. Genau an diesem Punkt setzt Trockenanker an. In der offenen Selbsthilfegruppe kommen Suchtkranke jeden Alters immer freitags um 16 Uhr im Sankt Georgen Krankenhaus in Bernau zusammen. Die Betroffenen reden miteinander, tauschen sich aus und sind füreinander da. Das gilt nicht nur für den Rückfall, sondern für alle Lebenslagen. „Wenn jemand beispielsweise bei einem Amt nicht weiterkommt und die Frustration steigt, kann er das Anliegen vortragen und wir suchen gemeinsam nach Lösungen“, sagt Andreas Schwonke. Er hat die Gruppe, die sich durch die Zahlung von zwei Euro pro Mitglied im Monat fi nanziert, am 1. Mai 2017 gegründet. Seine Entscheidung begründet er mit seinen Erfahrungen. Er besuchte vier Selbsthilfegruppen, die für ihn alle nicht funktioniert haben. „Es ist wahnsinnig schwer, die richtige Gruppe zu fi nden“, sagt Schwonke. Der Austausch und das Netzwerk mit den anderen Suchtkranken hilft ihm dabei, trocken zu bleiben und den Weg zurück ins Leben zu fi nden. Durch den Alkoholismus hatte er viel verloren. „Es war ein schleichender Prozess und ich wollte es mir einfach nicht eingestehen“, erinnert er sich. Er stand ohne Job da, war von der Gesellschaft ausgeschlossen. Inzwischen ist Schwonke seit zwei Jahren und drei Monaten trocken und arbeitet wieder. Neben den Gesprächen in der Gruppe gibt es für jedes Mitglied einen Ansprechpartner. Der so genannte Lotse kann jederzeit angerufen werden. Egal, ob es um das Bedürfnis nach Alkohol oder andere, alltägliche Dinge geht. Auch gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Gruppe sind keine Seltenheit. „Insgesamt ist es ein schönes Zusammenspiel, bei dem jeder eine Aufgabe hat“, sagt der Gruppengründer. Dazu gehört es auch, Werbung für die Gruppe zu machen, die derzeit aus einem Stamm von sieben Mitgliedern besteht. Durch regelmäßige Besuche in der Suchtberatung Bernau und der Psychiatrischen Institutsambulanz soll ein breites Netzwerk im ganzen Barnim aufgebaut werden. Andreas Schwonke und sein Vertreter Torsten Lettow, der seit der Gründung dabei ist, praktizieren Hilfe zur Selbsthilfe. „Der Umgang bei uns ist offen und ehrlich“, sagt Lettow, der ebenfalls negative Erfahrungen in anderen Gruppen gemacht hat. Sie wollen sich selbst und anderen alkoholund drogenabhängigen durch präventive Maßnahmen helfen, es gar nicht erst so weit kommen lassen, dass der Griff zur Flasche kommt. „Die Voraussetzung ist, dass jemand wirklich sauber und trocken leben will“, stellt Schwonke klar. Dazu gehört ein starker Wille, da man sein Leben und seine Gewohnheiten komplett umstellen und daran ein Leben lang festhalten muss. Um sich in diesem Kampf gegenseitig zu stärken, heißt der Trockenanker, neue Mitglieder willkommen. Dann wird statt Schnaps ein gemeinsamer Kaffee aus den mit dem Logo der Gruppe bedruckten Bechern getrunken. Eine Kontaktaufnahme ist über die Mailadresse trockenanker@web.de möglich.

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