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Der Fredersdorfer Reinhard Wolff berichtete im Gutshof aus seinem Leben als Internierter

Sowjetisches Speziallager überlebt

Datum: 14.06.2018
Rubrik: Gesellschaft

Fredersdorf (la). „Wir mussten einmal einen Wachturm ausbessern. Dabei tauchte irgendwoher ein Schäferhund auf, der zutraulich wurde. Wegen des ständigen Hungers kam uns die Idee, diesen Hund zu schlachten. Es war nicht einfach, ihn zuzubereiten, da wir kein Feuer und kein Kochgeschirr hatten. Aber es gelang schließlich doch. Uns kam der Hund wie ein Festtagsbraten vor“, berichtet einer, der fast drei Jahre als Jugendlicher im sowjetischen Speziallager Nummer sieben in Sachsenhausen interniert war. Sein Name: Reinhard Wolff. Seine Mission: Aufzuklären, was in der DDR Tabu-Thema war. „Alles um zu überleben – Reinhard Wolff. Als Jugendlicher im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen“ hieß die Veranstaltung, zu der die Mitglieder des Heimatvereins Fredersdorf-Vogelsdorf und die Ortschronistin Dr. Petra Becker kürzlich einluden. Gezeigt wurde den zahlreichen Besuchern ein Dokumentarfilm, der Wolff´s Zeit im Speziallager Sachsenhausen (SLS) beleuchtete. Dieser Film entstand 2016/17 im Rahmen eines Schülerprojektes des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums Oranienburg in der Gedenkstätte Sachsenhausen unter Reinhard Wolff´s Beteiligung. „In der sowjetischen Besatzungszone gab es zehn Spezial- und Internierungslager, in die kleine und mittlere Funktionsträger des dritten Reiches eingesperrt wurden. Zehn Prozent von ihnen waren Frauen aus dem NS-Terrorapparat, fünf Prozent von etwa 60.000 Häftlingen Jugendliche“, bringt Dr. Enrico Heitzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Sachsenhausen Fakten zu Gehör. Fast 12.000 Häftlinge seien von 1945 bis 1950 in diesen Lagern verstorben, so Heitzer weiter. Der heute 89-Jährige Reinhard Wolff saß von Dezember 1945 bis August 1948 im SLS als Internierter ein. Vorgeworfen wurde ihm von einem Offizier der sowjetischen Besatzungsmacht bei einem Verhör in Werneuchen, dass er eine Pistole besäße und zur „Werwolf“-Organisation gehöre, die knapp vor und nach Kriegsende einen Guerilla-Krieg gegen die Besatzer führen sollte. Schlechte Ernährung (morgens 450 Gramm nasses Kommissbrot, mittags Wassersuppe mit Gemüseresten, abends Tee) ließ den Hunger wie eine Droge erscheinen, so Reinhard Wolff. Kein Wunder, dass jeder dritte, vierte Jugendliche im Speziallager an Tuberkulose starb. Hinzu kam zermürbende Langeweile. Eine Beschäftigung war untersagt, Briefe durften nicht geschrieben, Bücher nicht gelesen, Besuche nicht empfangen werden. Dass Leben gerettet habe ihm ein Handwerker, der ihn und zwei weitere Jugendliche in die Tischlerei mitnahm und sie dort ausbildete und beschäftigte, erzählt Wolff den Interessierten. Trotz aller Schwierigkeiten und mit viel Glück, wie er selber zugibt, überlebte Wolff das Speziallager. Und erstaunt stellt der Zuhörer fest, dass Reinhard Wolff nicht mit seinem Schicksal hadert. Nein, antwortet Wolff auf eine Frage, Groll auf die damalige Besatzungsmacht habe er nicht. Die einfachen Soldaten hätten auch nur ihren Dienst getan. Und da er überlebt habe, sehe er es als seine Aufgabe an, „den heutigen Jugendlichen zu erzählen, wie man mit Schwierigkeiten umgeht.“
BU: Reinhard Wolff (links) wurde als 16-Jähriger im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen interniert. Rechts Dr. Enrico Heitzer, Mitarbeiter der Gedenkstätte Sachsenhausen.        Foto: BAB/la

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