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47. Randthema beschäftigte sich mit den Folgen industrieller Agrarwirtschaft und mit Glyphosat

„Die subventionierte Unvernunft“

Datum: 14.06.2018
Rubrik: Gesellschaft

Zollbrücke (ma). Glyphosat - ein Reizwort der jüngsten Zeit. Die aufgeklärte Öffentlichkeit, Gesundheitswissenschaftler und Ökologen würden das meistverkaufte Pestizid der Welt gern verboten sehen. Die konventionelle Landwirtschaft hält es dagegen für unverzichtbar und sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Zwischen diesen beiden Polen bewegte sich am Sonntag die Diskussion beim 47. Randthema im Theater am Rand in Zollbrücke. Unter dem Titel „Glyphosat – am Rand der Vernunft“ begrüßten Thomas Rühmann und Tobias Morgenstern, die Gründer des Theaters, verschiedene Gesprächspartner. Das Publikum sollte eigentlich nur zuhören, doch offenbar hatten einige Gäste andere Pläne. Nachdem Professor Michael Succow eine halbe Stunde über das Thema sprach, protestierten einige Landwirte, die sich mutig unter die in überwiegender Zahl von Glyphosat-Gegnern gemischt hatten, lautstark. Sie bezichtigten den Ökologen der Lüge. In seinem Vortrag schlug Succow einen großen Bogen vom Verlust biologischer Vielfalt über die Zerstörung der Umwelt bis hin zum daraus resultierenden Schwund an Lebensqualität. Nutzpfl anzen brächten nur unter massiven Einsatz von industriellen Hilfsmitteln Erträge. In Mecklenburg-Vorpommern gäbe es bereits Äcker, auf denen selbst diese Hilfsmittel nicht mehr helfen würden. „Boden ist das am stärksten gefährdete Naturgut“, sagte der Träger des Alternativen Nobelpreises. Succow bezeichnete die Behauptung der Bauernverbände, dass die Landwirte mit ihrer Überproduktion für die Ernährung der Bevölkerung zuständig sein, als Lüge. Fakt sei, dass sich 60 Prozent der Flächen für die Versorgung Europas außerhalb der EU befänden. Das führe letztendlich zu den Problemen, einschließlich der Migration. In Deutschland würde die Agrarwirtschaft zudem jährlich mit 57 Milliarden Euro subventioniert, was er als „Unvernunft“ bezeichnete. In der Agrarpolitik müsse sofort umgesteuert werden. Succow plädierte dafür, Subventionen nach völlig neuen Kriterien zu verteilen. Landrat Gernot Schmidt musste sich nach seinen Begrüßungsworten Vorwürfe aus dem Publikum gefallen lassen. Die Kritik lautete, dass er sich zu sehr für die konventionellen Landwirte einsetze und damit gegen eine vielfältige Landwirtschaft. Zuvor hatte er um Kompromisse geworben. Der Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz warnte davor, Landwirte zu Sündenböcken zu machen und appellierte an die Konsumenten. Mit den Auswirkungen von Glyphosat und anderen chemischen Hilfsmitteln auf das globale Ökosystem beschäftigte sich Johannes Heimrath. Er verglich das Ökosystem mit dem menschlichen Körper: Wenn das Zusammenspiel der Millionen Bakterien und Einzeller, die im und auf dem Menschen leben, gestört wird, wird er krank. Nach einer von ihm beauftragten Studie sei nachgewiesen worden, dass von 2.009 untersuchten Urinproben nur acht keine Glyphosat- Rückstände enthielten. Das Herbizid werde, auch wenn es sachgerecht angewendet wird, durch die Atmosphäre weit verbreitet und lasse sich inzwischen überall nachweisen. Diese neuen Erkenntnisse einer weiteren Studie bringen inzwischen auch die Biobetriebe- und Vermarkter in Erklärungsnot. Denn auch ihre Produkte können betroffen sein, selbst wenn sie kein Glyphosat einsetzen. So haben sich viele von ihnen zum „Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft“ zusammengeschlossen und lehnen sogenannte Ackergifte ab. Ziel des Bündnisses sei es dafür zu sorgen, dass auch die nächsten Generationen, die Enkel, eine lebenswerte Landschaft vorfinden.

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