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Steine ohne Grenzen feiert Einweihung des Denkmals für Otto Freundlich / Künstler und Laien an Entstehung beteiligt

Zeichen für ein friedliches Miteinander

Datum: 28.06.2018
Rubrik: Kunst & Kultur

Berlin-Buch (jm). In den Rieselfeldern um Hobrechtsfelde nahe Berlin-Buch wurde vergangene Woche Samstag ein ganz außergewöhnliches Denkmal eingeweiht. Im Sinne des Künstlers Otto Freundlich, der als entarteter Künstler von den Nazis verfolgt und 1943 ermordet wurde, hat der Verein Steine ohne Grenzen e.V. im Rahmen seiner Skulpturenlinie dieses im Kollektiv entstandene Denkmal errichtet. Daran beteiligten sich sowohl professionelle Künstler als auch Laien, die noch nie etwas mit Bildhauerei zu tun hatten. „Das ist ganz im Sinne Otto Freundlichs, da er einer der ersten Vertreter der ‚sozialen Skulptur‘ war“, erklärt Bildhauer Rudolf Kaltenbach. Gerade die unterschiedlichen Handschriften der Künstler und die unterschiedlichen Materialien machen die Besonderheit dieses Denkmales aus. Ein Teil besteht aus vier Eichen, die von den Berliner Forsten zur Verfügung gestellt wurden. Sie wurden gefällt, da sie krank waren. Außerdem wurden vier Sandsteinquader verwendet, die beim Amt für Flüchtlinge und Integration in Berlin-Mitte standen, bevor sie abgebaut wurden. Im Zuge der Eröffnungszeremonie haben die beiden Gründer und Initiatoren des Vereins, Silvia Fohrer und Rudolf Kaltenbach, nochmals ihre Idee erläutert, die hinter dem Denkmal steht. Anschließend trug ein Chor alte Volkslieder vor. Damit wurde ein stimmungsvoller Bogen zwischen der Landschaft, in der das Kunstwerk steht, und den Menschen, die es erschaffen haben, geschlagen. Auch die Gäste der Feier konnten sich an dem Denkmal beteiligen. Sie waren eingeladen, Sonnenblumen zu pfl anzen. Hintergrund der Aktion ist die Tatsache, dass Häftlinge des Nazi-Regimes sich mitunter von Sonnenblumenkernen ernähren mussten. Aber auch der Gedanke einer sozialen Skulptur wurde weiter fortgeführt. „Wir haben hier ein partizipatives Kunstwerk, was selbst heute noch gestaltet wird“, erklärt Kaltenbach. Die Besucher der Einweihungsfeier konnten ihre Meinung gegen rechtes Gedankengut auf kleine Zettel schreiben, sie in kleine Löcher im Eichenstamm stecken und mit einem Holzdübel verschließen. Aufgestellt wurde das Denkmal bereits einige Tage zuvor, am Weltfl üchtlingstag. Der Termin war von den Initiatoren nicht zufällig gewählt, denn auch Otto Freundlich war ein Flüchtling. Nach seiner Einstufung als „entarteter Künstler“ im Jahr 1937 suchte er Zufl ucht in den Pyrenäen. Bei der Aufstellung legten die handwerklich begabten Künstler selbst Hand an. Vorsichtig wurden die einzelnen Komponenten des Kunstwerkes vom Lastwagen gehoben. Jedes Teil musste genau positioniert und ausgerichtet werden. Anschließend wurden alle Elemente fest in dem Betonsockel verankert, denn es soll nachfolgende Generationen an die Idee Otto Freundlichs erinnern, ein sichtbares Zeichen für das friedliche Zusammenleben von unterschiedlichen Nationen zu schaffen. Der Verein Steine ohne Grenzen hat aber noch ein zweites Denkmal zum Gedenken an Otto Freundlich angefertigt. Es soll am 10. Juli 2018 in der polnischen Stadt Slupsk, dem Geburtsort des Künstlers, aufgestellt werden.

Als Fernsehbeitrag auf: www.odf-tv.de

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