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Heutige vorhandene Backsteingebäude bis 1923 fertiggestellt / Sauna für Jockeys betrieben

Führung zur Baugeschichte der Rennbahn

Datum: 12.07.2018
Rubrik: Gesellschaft

Hoppegarten (la). Sich die Rennbahn einmal außerhalb eines Renntags anzusehen und von ihrer Baugeschichte her erklären zu lassen, war kürzlich dank der Führung von Astrid Fritsche, Vorsitzende des Kulturvereins „Grünes Tor“ Hoppegarten, möglich. Astrid Fritsche begann ihre Führung damit, dass sie den Interessierten die Entwicklung der Rennbahn darstellte. Dass die Pferderennbahn überhaupt in Hoppegarten entstand, sei mehreren Umständen zu verdanken: 1830 wurden auf dem Berliner Tempelhofer Feld Rennen ausgetragen. Doch Regen, Hitze und Staub sowie fehlende Tribünen beeinträchtigten das Rennerlebnis für Reiter und Publikum arg, so dass der Verein für Pferdezucht und -dressur einen neuen Ort für die Austragung von Rennen suchte. Da der Berliner Magistrat sich quer stellte, fand man bei Heinrich von Treskow, der in Hoppegarten einen Vorort seines Ritterguts hatte, wo er Hopfen anbaute (woher im Übrigen der Ortsname „Hoppegarten“ kommt), ausreichend Platz für eine neue Rennbahn. Dank der in dieser Zeit erbauten Ostbahn und dank von Treskows Einsatz wurde ein temporärer Halt mit hölzerner Stufen in Hoppegarten errichtet.  Im Oktober 1867 gab es mit kurzfristig erbauten Holztribünen einen ersten Proberenntag, der das Berliner Publikum überzeugte. Wer die Rennbahn heute betritt, dem fallen vor allem die drei Zuschauertribünen auf. Diese sowie alle heute noch vorhandenen Rennbahnbauten seien 1923 fertiggestellt worden, die Architektur modern und vom Norddeutschen Backsteinimpressionismus beeinflusst, so Fritsche. Der Berliner Architekt Johannes Seiffert, der im Sportstätten- und Theaterbau „zuhause“ war, plante die neuen Gebäude deshalb so, dass ein „Sehen und Wahrnehmen“ sowie das unmittelbare Teilhaben der Zuschauer an Aktionen, wie es im Theater üblich ist, möglich war. Seiffert musste bei seinen Planungen Platz für möglichst viele Besucher vorsehen; 30.000 Besucher pro Renntag waren keine Seltenheit und der Platz reichte trotzdem nicht für alle aus, um die Rennen verfolgen zu können. Schon damals schaut man auf die Baukosten. Die erste Tribüne, die „Clubtribüne“, war sparsam gestaltet, hatte strikt getrennte Plätze und gesonderte Zugänge. Eine Abteilung sei für die Mitglieder des Union-Clubs, dem Besitzer der Rennbahn, und eine speziell für Damen vorhanden gewesen. Der Berliner Architekt Carl Bohm besuchte im Auftrag eine Bauausstellung im Louvre in Paris und besichtigte auch die dortige Pferderennbahn, die er dann als Vorbild für die Gestaltung der Hoppegartener Rennbahn nahm. Erbaut wurde neben weiteren auch eine Tribüne mit Königsloge, die von der königlichen Familie nicht selten genutzt wurde. Die alten Holztribünen wichen aber 1886–1889 dem Bau zweier massiver Tribünen und einem Kaiserpavillon. In einer Rekordbauzeit von nur 13 Wochen seien diese dank vorgefertigter Konstruktionen wie gebogener Stahlträger und Wellblech in Monierbauweise errichtet worden. Die Tribünen, in denen es Restaurants gab, waren offen, so dass nichts verkleidet werden musste. Diese Gebäude bestanden bis zum Oktober 1917. Zum Abschluss erzählte Astrid Fritsche, dass das alte Maschinengebäude, in der eine Dampfmaschine für die Bewässerung des Geläufs sorgte, sogar einen Dampfraum, Neudeutsch: Sauna, für die Jockeys enthielt. Eine moderne Rennbahn, moderne, zweckentsprechende Gebäude, eine bis 1996 existierende Pferdeklinik – all das waren Einrichtungen, die dafür sorgten, dass man zu Recht die Rennbahn als die Kernzelle des deutschen Pferderennsports bezeichnen durfte.
BU: Astrid Fritsche, Vorsitzende des Kulturvereins „Grünes Tor“ Hoppegarten, machte Besucher mit der Baugeschichte der Rennbahn bekannt.   Fotos (2): BAB/la

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