Nachrichten - Gesellschaft

Vor 40 Jahren kehrte Sigmund Jähn als erster Deutscher im All zurück

Raumfahrer gefragt wie ein Popstar

Datum: 07.09.2018
Rubrik: Gesellschaft

Strausberg (sd). Am 3. September 1978 kehrte Sigmund Jähn von einem historischen Raumflug zurück: Er war der erste Deutsche im All. Anlässlich des Jubiläums gab es auf dem Flugplatz in Strausberg eine Festveranstaltung, bei der rund 500 Anfragen auf nur begrenzte Plätze trafen.

Ursprünglich mit 60 Plätzen im Tower auf dem Flugplatz angesetzt, wurde kurzfristig doch noch im großen Hangar Platz geschaffen. Zu 78 Anmeldungen gesellten sich letztlich noch spontane Besucher, sodass die Bänke gut gefüllt waren. „Es war eine Herausforderung, dieses 40. Jubiläum mit einer Veranstaltung zu begehen, schließlich ist es auch ein Stück weltweiter Geschichte“, erklärte Stadtmuseums-Chefin Christa Wunderlich. Gemeinsam mit ihren Mitarbeitern und vielen Helfern hatte sie alles vorbereitet. Positiv hob sie hervor, dass „ein Anruf beim DLR genügte“, um die zwei weiteren Referenten des Tages gewinnen zu können.

„Wir wollen heute einen besonderen und eine besondere Tat würdigen“, eröffnete Bürgermeisterin Elke Stadeler und erinnerte an ihre Lehrlingszeit in Berlin. Der Flug damals sei etwas geheim gewesen und habe dennoch alle bewegt. Umso mehr beeindrucke sie immer wieder, dass Sigmund Jähn, den sie bereits lange Jahre persönlich kenne, aus „so einer großen Tat eine Selbstverständlichkeit macht“. Die ihm eigene Bescheidenheit und Bodenständigkeit ist es auch, die viele Besucher und Fans des ehemaligen Kosmonauten so sehr schätzen.

Jähn selbst war als Inspekteur für Luftsicherheit am Strausberger Flugplatz stationiert, wie er in seinem Vortrag erklärte. „Morgens kam ein Anruf, ich solle zum Kommandeur. Niemand wusste, worum es geht“, erinnert der heute 81-Jährige Wahlstrausberger. Nachdem er erfahren habe, dass er ins All fliegen könne, habe er keine zwei Tage Bedenkzeit benötigt, sondern sofort zugesagt. Auch wenn er sich nicht allzu große Chancen ausmalte, wie Jähn hinzusetzt. Vom Auswahlverfahren, über die zahlreichen DDR-Betriebe, die die Mission mit Gerätschaften unterstützten, bis zum Start und den Erlebnissen im Erdorbit sowie der holprigen Landung in der Steppe, berichtete Jähn hautnah. Seine persönliche Sichtweise und Ausführungen seien unschätzbar, fanden viele Besucher.

In der Pause bildete sich rasch eine lange Schlange am Tisch, wo der ehemalige Raumfahrer Fragen beantwortete und zahlreiche Autogrammkarten signierte und verteilte. Sonst sind solche Szenen und Menschenaufläufe eher von Popstars vertraut.

Eine der technischen Innovationen, die Jähn auf seinem Raumflug mitnahm, war die Multispektralkamera MKF-6. Die Kamera zur Erdbeobachtung mit Kartierungsaufgaben in unterschiedlichen Wellenlängenbereichen, zählte ihrer Zeit zu den modernsten und leistungsfähigsten der Welt. Über ihren Nachfolger „Desis“, der erst vor Kurzem an der Internationalen Raumstation ISS installiert wurde, referierte anschließend Dr.-Ing. Anko Börner vom Institut für optische Senorsysteme beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Gäste seien die ersten außerhalb des Instituts, die Bilder der neuen Kamera sähen.

Gleich ein Modell der HRSC-Kamera hatte der dritte Referent des Tages im Gepäck: „Seit 15 Jahren kreist die HRSC an Bord von Mars Express im Mars-Orbit. Heute ist die Technik nicht einmal mehr halb so groß und leistungsfähiger“, so Ulrich Köhler vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof, wo die Kamera mitentwickelt wurde. HRSC steht für High Resolution Stereo Camera, also etwa hochauflösende Stereo-Kamera, mit der die Marsoberfläche in 3D kartiert wurde.

Mit ihrem Beifall dankten die Gäste nicht nur den Vortragenden, sondern auch Christa Wunderlich und ihrem Team bis hin zu den Mitarbeitern der Stadtwerke, ohne die die Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre. Als kleine Anerkennung ließ Christa Wunderlich eigens einen Schwung Karten von Strausbergs Ehrenbürger Sigmund Jähn signieren.

BU: Nach seinen Ausführungen wurde raumfahrtlegende Sigmund Jähn von vielen Gästen umringt, die ihm für seinen Bericht dankten und sich Autogramme sicherten. Foto: BAB/sd

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