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17. Tour de Tolérance mit rund 100 Teilnehmern – seit 17 Jahren für ein tolerantes Miteinander

Radelnd ein Zeichen setzen gegen gesellschaftliche Missstände

Datum: 07.09.2018
Rubrik: Gesellschaft

Strausberg/MOL (sd). Per Fahrrad ein Zeichen für mehr Toleranz und Miteinander zu setzen – darum geht es auch in der 17. Auflage der Tour de Tolérance. Etwa 100 Aktive waren auf der Strecke von Strausberg über Altlandsberg, Werneuchen, Prötzel und Buckow wieder zurück nach Strausberg dabei.
„Das Wetter kann kaum besser sein“, freute sich Günter Grützner. Zum Start der diesjährigen Tour de Tolérance, die zuletzt eher in Richtung Oranienburg unterwegs war, sammelten sich am Samstagmorgen 62 Teilnehmer an der Anmeldung im Strausberger Sport- und Erholungspark. Von Einzelfahrern und Radlern mit Transparenten, über Radgruppen bis hin zu Fahrern, die „einfach so“ mitfahren, reichte die Teilnehmerpalette.
„Wer mittwochs Radfahren kann, kann auch Samstag fahren“, heißt es bei einer Radgruppe aus Rehfelde. Doch nicht nur aus „Spaß an der Freude“ machten sie mit, sondern sammeln gleichzeitig auch Kilometerpunkte für die aktuelle Aktion „Stadtradeln“. Bei Deutschlands größter Fahrradkampagne stehen Klimaschutz und Radverkehrsförderung im Vordergrund. Mit den gefahrenen Kilometern wird tonnenweise CO2 eingespart, das bei Autofahrten frei würde. Inzwischen ist daraus ein Wettstreit unter den teilnehmenden Kommunen geworden.
Auch die Strausbergerin Charlotte Henze tritt wieder in die Pedale. „Ich war schon früher dabei, als Petra Bierwirth noch Schirmherrin war. Heute ist es fast ein Heimspiel“, so die mittlerweile 90-Jährige. Der 14-Jährige Jakob Nowak kommt mit seinem Vater eigens aus Berlin. „Es macht Spaß, ist eine gute Tour und gleichzeitig machen wir die Leute auf Probleme aufmerksam, setzen ein Zeichen“, so der Jugendliche, für den es bereits die zweite Tour ist, während sein Vater zum dritten Mal mitfährt. Thomas Grebing ist sonst auch viel mit dem Rad unterwegs, kennt Buckow und möchte die Stadt einmal per Drahtesel besuchen.
Kaum noch Platz auf seinem mitgebrachten T-Shirt hat hingegen Hans-Joachim Hübner. Ob Sigmund Jähn oder Dietmar Woidke – seit der ersten Tour de Tolérance sammelt er Unterschriften berühmter Unterstützer.
Mit selbstgebastelten Schildern an ihren Fahrrädern sind Jakob Degenhardt und Fabian Lahres aus Garzau dabei. Der siebenjährige Jakob fährt etwa sieben längere Touren im Jahr per Rad. Die Schilder waren seine Idee und er hat sie auch gestaltet. „Die politische Lage ist nicht so, wie es gefällt. Ich habe selbst zwei Geflüchtete in meinem Betrieb. Das kann jedem passieren und wir haben hier genug, um etwas abzugeben“, erklärt Fabian Lahres. In der Region werde zunehmend polarisiert und „viel zu wenig getan“ weshalb es wichtig ist, „mit solchen Aktionen dringend ein Zeichen zu setzen“.
Es funktioniere in der Gesellschaft nicht alles, wie es sein könnte, eröffnete Bürgermeisterin Elke Stadeler. „Toleranz, Respekt und ein friedliches Miteinander sollten Grundzüge unserer Gesellschaft sein“, so Stadeler. Vor allem gegenüber Rettungskräften ließen Achtung und Umgang zunehmend zu wünschen übrig.
Es gehe darum, Rechte und Gesellschaft zusammen zu bringen, auch bei unterschiedlichen Meinungen einen Grundkonsens zu finden, ergänzt Landrat Gernot Schmidt. „Der Zusammenhalt geht immer mehr verloren, das ist bei Rettungskräften genauso spürbar, wie in den Verwaltungen“, sagt Schmidt. Das sei auch eine Frage der Generation weshalb der Landrat von Märkisch-Oderland auffordert, das Gespräch zu suchen und Werte in die jüngeren Generationen weiterzugeben.
Anschließend machte sich der Pulk auf den etwa 84 Kilometer langen Rundkurs. Während Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler bis Altlandsberg mitfuhr, hatte der Amtsdirektor der Märkischen Schweiz, Marco Böttche, auf dem Weg nach Buckow praktisch ein Heimspiel. Zur Absicherung begleiteten ein Rettungswagen und ein Bus sowie zehn Polizeibeamte per Motorrad und Auto das Fahrerfeld.
„Wir freuen uns, dass Strausberg bereits zum zweiten Mal Gastgeber der Tour ist. Ohne die vielen Unterstützer an der Strecke und aus den Kommunen wäre das nicht zu stemmen. Dank auch an die Polizei, die Rettungskräfte und die Aktiven an der Strecke“, so Mitorganisator Günter Grützner. Unter anderem bot in Prötzel ein Karnevalsverein kurzweiliges Kulturprogramm und gab es frische Äpfel aus der Region zur Pause. Insgesamt haben sich rund 100 Teilnehmer zusammengefunden.
BU: Am SEP setzte sich der Pulk der 17. Tour de Tolérance in Richtung Altlandsberg in Bewegung. Foto: BAB/sd

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