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Das ehemalige Rathaus von Finow

Vergessene Orte

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Beitrag: Vergessene Orte

Datum: 10.10.2018
Rubrik: Gesellschaft

In unserer Rubrik „Vergessene Orte“ stellen wir Ihnen immer wieder Gebäude oder Plätze vor, die von vergangenen Zeiten zeugen. In unserer heutigen Folge widmen wir uns dem ehemaligen Rathaus der Stadt Finow. Heute hat die WHG ihren Hauptsitz in dem Gebäude. Seine Geschichte ist eng mit der einstigen Industrielandschaft am Finowkanal verknüpft.

„Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“ In der Ausstellung „90 Jahre Finow“ findet dieses berühmte Zitat von August Bebel seine Entsprechung. Ausstellungsort ist die heutige WHG-Zentrale in der Dorfstraße 9. In der Vergangenheit wurde das herrschaftliche Gebäude als Rathaus der Stadt Finow genutzt. Optikermeister Dietmar Ortel ist der Kurator der Ausstellung und leidenschaftlicher Heimat- und Geschichtsforscher. Er nahm uns mit auf eine private Führung durch die Ausstellung und die Korridore des ehemaligen Verwaltungssitzes. Bevor die Menschen jedoch ein Rathaus benötigen, bedarf es zunächst einer Gemeinde oder einer Stadt, die verwaltet werden will. Die Geschichte der Stadt Finow ist auch gleichzeitig die Geschichte der Industriekultur im Finowtal. Geschichte ist die Chronologie des stetigen Wandels. Auch dem ehemaligen Finower Rathaus war ursprünglich eine andere Nutzung zugedacht. Mit seiner kunstvoll gestalteten Stuckfassade war das Gebäude schon seinerzeit ein äußerst repräsentatives Bauwerk. In dem nachträglich angebauten Festsaal ist heute ein Tischtennisverein ansässig. Die Ausstellung vermittelt einen deutlichen Eindruck vom früheren sozialen Leben in und um das frühere Rathaus. Das gerade dieses Gebäude zum Rathaus umfunktioniert wurde ist kein Zufall, historisch gesehen liegt es exponiert an der Nordwestseite des einstigen Dorfplatzes. Die Vergangenheit ist wie ein diffuser Ort, welchen man ohne Bahn oder Auto erreichen kann. Die Reise, also die Beschäftigung mit der Geschichte, kann auch zur Reise in die eigene Identität werden. Viele historische Aufnahmen in der Ausstellung belegen wie nah uns die Vergangenheit ist, wie sich städtebauliche Strukturen über die Jahrzehnte erhalten haben. Jedes Gebäude atmet in gewisser Weise auch den Geist seiner Zeit. Am Platz um die Friedenseiche treffen Vergangenheit und Gegenwart nicht nur im übertragenen Sinne aufeinander. Dort wo heute die WHG ihren Hauptsitz hat, wurden früher wichtige Entscheidungen für die Gemeinde gefällt oder rauschende Feste gefeiert. Unter den breiten Ästen der Friedenseiche lässt es sich heute hervorragend schwelgen, zum Beispiel in der Vergangenheit.

Kamera: Sebastian Gößl/Florian Beyer

Bericht/Schnitt: Florian Beyer

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