Nachrichten - Gesellschaft

Kitas in Bernau und Eberswalde starten mit dem Projekt „Lasst mir Zeit“ nach Kinderärztin Emmi Pikler

Selbstständigkeit früh fördern

Datum: 17.10.2018
Rubrik: Gesellschaft

Bernau (fw). Zunächst sind die Krippenkinder der Integrationskita „Rappelkiste“ noch zaghaft, als sie in den Gruppenraum kommen. Kein Wunder, sind da doch so viele unbekannte Gesichter und ein kleiner Hügel in der Mitte des Raumes, der von einem Tuch bedeckt ist. Sie bleiben vorsichtshalber in der Nähe ihrer Erzieherinnen. Nachdem diese jedoch das Tuch weggenommen haben und die Kleinkinder einen Blick auf die Spielgeräte werfen können, weicht die Zurückhaltung der Neugierde. Vorsichtig erkunden sie das Labyrinth von allen Seiten, versuchen über die Anbauteile auf die Kiste zu klettern und wagen sich später auch auf die Pyramide.

Die neuen Geräte richten sich an Kinder zwischen null und drei Jahren. Sie basieren auf Ideen der österreichischen Kinderärztin Emmi Pikler und sind ein Teil des Projektes „Lasst mir Zeit“, das kürzlich in der AWO-Kita in Bernau startete. Im Mittelpunkt dabei steht die Selbstständigkeit der Kleinkinder. Sie sollen sich an den Geräten ausprobieren und entdecken, was sie können, was sie sich zutrauen und an welchem Spiel sie den meisten Spaß haben. Die Kita bietet dafür das passende Umfeld. Die Erzieherinnen passen natürlich auf ihre Schützlinge auf, geben jedoch keine Anweisungen. Die Kinder sollen sich nach ihren eignen Bedürfnissen frei entfalten können. Dabei kann es auch passieren, dass sie hinfallen. Aber auch dadurch lernen sie etwas dazu. Das nächste Mal machen sie es anders, probieren eine neue Strategie aus oder merken, dass ein bestimmtes Spielgerät einfach noch nichts für sie ist. „Sie lernen also nicht nur ihre Fähigkeiten, sondern auch ihre Grenzen kennen“, fasst es die stellvertretende Kita-Leiterin Mandy Wilke zusammen.

Genau diese Aspekte sollen durch das Projekt in spielerischem Rahmen geschult werden. Dafür schlossen der AWO-Kreisverband Bernau e.V. als Träger der Kita eine Kooperation mit der Unfallkasse Brandenburg (UKBB) und dem pädagogischen Begleiter Peter Fuchs. Gemeinsam schauen sie innerhalb eines Jahres, wie sich der Nachwuchs entwickelt. Das wird dokumentiert und ausgewertet. Dann wird geschaut, ob die Kita die Spielsachen übernimmt, neue anschafft oder sich von dem Konzept verabschiedet. Dazu gehören auch Workshops für die Erzieher, in der die Pikler-Pädagogik vertieft wird. Die Unfallkasse unterstützt das Projekt, da dadurch schwere Unfälle vermieden werden sollen. „Durch die Geräte lernen die Kinder, sich besser einzuschätzen und sicherer zu werden, so dass sie im Gefahrenmoment besser reagieren können“, sagt Katja Richter, Referentin für Sicherheitserziehung bei der UKBB.

Die Kitas in AWO-Trägerschaft haben mit dem Projekt „Lasst mir Zeit“ eine Vorreiterstellung im Barnim. Nachdem das „Traumland“ in Schönwalde bereits als Referenzeinrichtung anerkannt wurde, befinden sich die „Rappelkiste“ und das „Kinderland“ in Eberswalde auf dem Weg dorthin. Auch in der Barnimer Kreisstadt startete das Projekt vergangene Woche Dienstag. Das Kinder- und Familienzentrum „Regenbogen“ in Bernau hat ebenfalls schon Interesse bekundet.

Foto: Blitz/fw

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