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Breydiner Zeitenspringer erforschen Abenteuer eines Klobbickers

Erfroren im Ewigen Eis

Datum: 08.11.2018
Rubrik: Gesellschaft

Breydin (fw). Viele Jugendliche auf dem Land wissen ihre Heimat nicht zu schätzen. Meist zieht es sie an andere Orte, etwa in eine größere Stadt. Das hat auch damit zu tun, dass sie sich meist nicht mit der Historie ihres Herkunftsortes befassen. Sie hält bei genauerem Hinsehen bestimmt die ein oder andere aufregende Geschichte parat. Genau da setzt das Projekt „Zeitensprünge“ an. Es will dem Nachwuchs die spannenden Aspekte ihrer Heimat schmackhaft machen und fördert den Forschergeist.

Fritzi Schulze und Sarah Behrendt machen in diesem Jahr bereits zum 5. Mal mit. Gemeinsam mit der Breydiner Gemeinde-Chronistin Karin Baron begeben sie sich schon seit längerer Zeit auf Spurensuchen. Dabei befassten sie sich mit den unterschiedlichsten Begebenheiten, die sich in der Vergangenheit sozusagen vor ihrer Haustür abspielten. Sarah sind besonders die Interviews mit Zeitzeugen der NS-Zeit in Erinnerung geblieben. Sie haben bei der 16-Jährigen Emotionen ausgelöst und sie wünscht sich, dass diese geschichtliche Epoche einen größeren Teil im Schulunterricht einnimmt. Die 16-jährige Fritzi hob den praktischen Ansatz des Besenbindens, so wie es früher praktiziert wurde, besonders hervor. Für den Dritten und Jüngsten im Bunde, Moritz Messal, sind alle Geschichten aus seiner Heimat interessant.

Einmal pro Woche trifft sich das Trio mit der Chronistin im Gemeindezentrum. Dann werden Bücher gewälzt, Quellen verfolgt und Gespräche geführt. Das aktuelle Projekt der Zeitenspringer heißt „Arthur – mit Pfeife sitzend im Eis“. Darin erforschen sie die Geschichte von Arthur-Georg Haack, der als Sohn des Lehrers Carl Haack 1880 in Klobbicke geboren wurde und von dort aus die Welt entdeckte. Sie haben schon viel herausgefunden: Nach seiner Fotografen-Ausbildung in Berlin ging er im Alter von 25 Jahren nach Amerika. Mit seinem Freund Rudolph Franke, der in Biesenthal geboren wurde, heuerte er auf dem Schiff „The Guide“ von Kapitän Joseph-Elzéar Bernier an. Sie machten sich auf den Weg nach Pond Inlet in Kanada, um das Leben der Inuit zu erforschen. Dabei entstand der Dokumentarfilm „The Land of the Midnight Sun“, den der Klobbicker offensichtlich gedreht hat. Leider kam er bei der Expedition 1915 ums Leben. Er erfror, auf einem Schlitten sitzend und mit einer Pfeife im Mund.

Die Dokumentation „17.000 Kilometer Kanada“, die auf dem ZDF lief, gab den Ausschlag für dieses Projekt. Ortsbewohner war der Name Haacks auf einem von zwei Gräbern aufgefallen, die darin gezeigt wurden. Sie verständigten den Bürgermeister, der diese Info an seine Chronistin weitergab. Bei Karin Baron war sofort die Neugierde geweckt. Sie nahm Kontakt mit allen möglichen Archiven auf und konnte schließlich sogar den Originalfilm, der unter anderem von Charlie Chaplin geschnitten worden sein soll, in digitaler Form besorgen. Aus all den Erkenntnissen wollen die Geschichtsforscher ein Buch erstellen, das bis April 2019 fertig sein soll. Bis dahin gibt es noch jede Menge zu tun. Derzeit stellt die Gruppe die Lebensstationen ihres Helden zusammen.

Karin Baron freut sich, dass sich die Jugendlichen für ihre Heimat interessieren. Sie selbst lebt zwar in Panketal, doch ihre Vorfahren kommen aus Breydin und Umgebung. Außerdem hat sie in ihrem Berufsleben bei Siemens in Berlin positive Erfahrungen mit der Arbeit mit Jugendlichen gemacht. Das wollte sie gern auch „bei sich zu Hause“ weiterführen. „Gerade in der Rente sollte man nicht den Kopf in den Sack stecken, sondern etwas Sinnvolles mit seiner Zeit anfangen“, findet sie. Das derzeit vierköpfige Team könnte bald Verstärkung durch einen Cousin von Moritz bekommen, der dort hin zieht. Sarah würde sich aber allgemein wünschen, dass sich mehr Menschen in ihrem Alter für die Geschichte ihrer Heimat interessieren und mit ihnen gemeinsam an zukünftigen Projekten forschen.

Im Rahmen der „Zeitensprünge“ werden vom Landesjugendring Brandenburg e.V. finanzielle Mittel in Höhe von 1.100 Euro für jedes Team zur Verfügung gestellt. Davon wurden im Falle der Breydiner Nachwuchsforscher verschiedene Utensilien angeschafft, die die Arbeit erleichtern. Dazu gehören unter anderem ein Beamer und eine Kamera, um Interviews aufzunehmen. Aber auch eine Flipchart, Bücher, der Zugang zu Archiven und Veranstaltungen werden dadurch finanziert. Dabei ist aber auch die Gemeinde eine Unterstützung. Insgesamt nehmen in diesem Jahr 18 Brandenburger Jugendgruppen bestimmte Aspekte der Geschichte ihrer Heimatorte unter die Lupe.

Foto: Frank Wollgast

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