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Schicksale von Sinti und Roma zur NS-Zeit in Bernau in Broschüre aufgearbeitet

Erster Schritt zur Erinnerung

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Beitrag: Erster Schritt zur Erinnerung

Datum: 25.01.2019
Rubrik: Kunst & Kultur

Bernau (fw). Das Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns und Völkermordes am 27. Januar hat auch in Bernau eine große Bedeutung. So wurden am Sonntag sowohl am Ehrenmal am Bahnhof als auch am Ehrenmal an der Kirche im Ortsteil Schönow derer gedacht, die während der NS-Herrschaft in Angst leben mussten, deportiert, und planmäßig ermordet wurden. Aus diesem Anlass legten Vertreter der Stadt und des Ortsbeirates Kränze an den Erinnerungsstätten nieder. Dabei wurde auch gemahnt, dass sich diese Gräueltaten nie wiederholen dürfen. 

In der Erinnerungskultur wurde jedoch das Schicksal der Sinti und Roma im Allgemeinen wenig beachtet. Auf diesen Umstand wurde Dieter Korczak vor rund zwei Jahren bei dieser Gedenkveranstaltung hingewiesen. Der Soziologe nahm sich dem Thema an, vertiefte sich darin und schrieb eine umfassende Broschüre mit dem Titel „Sinti und Roma in Bernau bei Berlin“. Anlässlich des Gedenktages stellte er die Publikation im Bernauer AWO-Treff vor. Aufgrund von Zeitdokumenten, die der Bernauer nach Recherchen in Stadt-, Landes- und Bundesarchiven sammelte, stellte er fest, dass 64 Sinti und Roma bis 1943 in Bernau lebten. Sie waren integriert, gingen Tätigkeiten in Fuhrunternehmen und im Einzelhandel nach. Doch da sie als „nichtarisch“ galten, waren sie Zielscheibe von Verleumdung und Verfolgung. Ihre Lebensräume wurden systematisch beschränkt. Auf Entrechtung folgten Enteignung und Deportation. Die Familien Braun, Rose, Schopper und Schmidt wurden nahezu vollständig ausgelöscht. Nur 18 von ihnen überlebten, vier von ihnen wurden zwangssterilisiert.

Das machte auch die Recherche sehr schwierig. Da es kaum Hinterbliebene gibt, sind keine Fotos vorhanden. Auch Bewohner verschiedener Seniorenpflegeheime konnten keine Hinweise geben – und das, obwohl die Sinti und Roma recht sichtbar in Bernau waren. Sie sollen auf dem heutigen Bahnhofsplatz gelebt haben, bevor sie in die Lüdtkestraße vertrieben wurden, wo sie unter sehr schlechten Bedingungen hausten. Die so genannte „Zigeunerkuhle“ ist heute von Gras bewachsen, die historischen Spuren kaum noch erkennbar.

Die Stadt Bernau stellte sich hinter die finanzielle Erstellung der Broschüre, die im Museum im Henkerhaus und in der Tourist-Info gegen eine Schutzgebühr von zwei Euro erhältlich ist. Bürgermeister André Stahl gehörte zu den mehr als 30 Gästen. Er betonte, dass es wichtig sei, einzelne Aspekte der Stadtgeschichte zu beleuchten, auch wenn sie nicht „ruhmreich“ seien. Dies solle auch einer Wiederholung vorbeugen. Daher werden auch Schulen in der Stadt mit einem Klassensatz des Buches ausgestattet.  

Dieter Korczak lobte die Erinnerungskultur in Bernau. Es gäbe viele Veranstaltungen, Mahn-, Denkmäler, Stolpersteine und Infotafeln. Da dieser Teil der Historie bisher weitestgehend unbeleuchtet blieb, schlug der Autor vor, auch eine Erinnerung an die verschleppten Sinti und Roma in Bernau zu errichten, etwa in Form einer Plakette. Ob und in welcher Form das passiert, bleibt ein Thema für die Stadtverordneten, sollten sie sich dem annehmen. Mit der Veröffentlichung der Broschüre ist ein erster Schritt getan und die Stadt stellt sich ihrer historischen Verantwortung.

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