Nachrichten - Gesellschaft

Drei Frauen über weibliche Initiative in der Kommunalpolitik

Aktive Mitbestimmung

Datum: 01.03.2019
Rubrik: Gesellschaft

Wandlitz (fw). Die Gleichberechtigung von Frauen ist nicht erst in den letzten Monaten ein Thema. Aktivisten kämpften seit der Französischen Revolution für die Rechte des weiblichen Geschlechtes. In diesem Jahr werden diesbezüglich allerdings einige Meilensteine gefeiert: Das Frauenwahlrecht jährt sich zum 100. Mal, der Internationale Frauentag wird in Berlin am 8. März erstmals als Feiertag begangen und die Brandenburger Landesregierung verabschiedete kürzlich das Paritätsgesetz. Damit sind einige Schritte gegangen, um die Gleichberechtigung voran zu treiben, doch das Ziel ist noch nicht erreicht. Wenn man sich überlegt, dass Frauen in den alten Bundesländern erst seit 1958 ohne Zustimmung ihres Mannes den Führerschein machen oder seit 1962 eigenständig ein Konto eröffnen dürfen, ist das kein Wunder, denn historisch betrachtet ist das kein langer Zeitraum.

Während Frauen in pflegerischen oder erzieherischen Berufen meist in der Mehrzahl sind, fehlen sie oft auf Führungsebenen von Unternehmen. Dass es auch anders geht, zeigen beispielsweise die Stadtwerke Bernau, die von Bärbel Köhler geführt werden oder die Wohnungsbaugesellschaft Wobau, in der Antje Mittenzwei neben Jens Häßler das Sagen hat. Auch die Wandlitzer Verwaltung ist von weiblichem Führungspersonal geprägt: Gisela Peter leitet das Haupt-, Ilka Paulikat das Ordnungs- und Claudia Schmid-Rathjen das Kulturamt. Für Ausgewogenheit sorgen Christian Braungard als Kämmerer und Lars Gesch als Bauamtsleiter. Die Führung unterliegt allerdings Jana Radant. Sie ist die einzige Bürgermeisterin im Landkreis Barnim. Die Kauffrau für Grundstücks- und Wohnungswirtschaft und promovierte Philosophin übt das Amt seit ihrer Wahl im Jahr 2011 als Nachfolgerin von Udo Tiepelmann aus. Sie fand eine ihr zugewandte Verwaltung vor, doch der politische Raum machte ihr den Anfang schwer. So erinnert sie sich an eine Anzeige in der Bild-Zeitung, die sie als „Gier-Bürgermeisterin“ beschimpfte, um ihr den Boden unter den Füßen weg zu ziehen. Ob diese Aktion damit zusammenhängt, dass sie eine Frau ist oder manchen Kommunalpolitikern ihre Politik nicht gefiel, ist schwer zu sagen. Sicher ist hingegen, dass sie sich als Frau in politischen Auseinandersetzungen anders verhalten muss als ein Mann. „Ich würde gern einmal mit der Faust auf den Tisch hauen, aber davon wird mir immer abgeraten“, sagt Radant. Als Frau habe man schnell den Ruf „zu emotional“ oder gar „zickig“ zu sein, während ein Mann als durchsetzungsstark gilt, was gesellschaftlich positiv belegt ist. Doch offenbar hat schon der Wahlkampf, der auf Kommunikation, Offenheit und Transparenz in der Verwaltungsarbeit setzte, viel gebracht. Inzwischen betrachtet sie die Arbeit mit den Ortsvorstehern und Fraktionen als durchaus positiv. „Mir ist nicht wichtig, von welcher Partei ein Vorschlag kommt, sondern ob er gut für Wandlitz ist“, sagt die parteilose Bürgermeisterin.

Derzeit gibt es in den Wandlitzer Ortsbeiräten 51 Mitglieder, 14 davon sind Frauen. Von den 28 Gemeindevertretern sind acht weiblich. Eine von ihnen ist Claudia Wilke. Sie macht sich seit 2008 im Ortsbeirat Schönwalde stark und ist seit 2014 Mitglied der Wandlitzer Gemeindevertretung. Dem Ortsbeirat blieb sie weiterhin treu, darüber hinaus engagiert sie sich im Bildungs- und Sozialausschuss. Die Mitarbeiterin der Kindernachsorgeklinik beschritt diesen Weg, da sie in ihrer Mutter ein starkes Vorbild hatte: Sie war nach der Wende Ortsbürgermeisterin von Schönwalde. „Bei uns gehört es einfach dazu, gemeinnützig und ehrenamtlich zu sein“, sagt Wilke. Bevor sie in die Politik ging, brachte sie sich sowohl kommunal als auch aus Kreis- und Landesebene in die Kirche ein. Durch ihre Mitarbeit in den politischen Gremien gewann sie viele Einblicke, beteiligte sich an Diskussionen und trug Entscheidungen für die Gemeinde mit. „Statt nur zu meckern wollte ich mich aktiv einbringen“, beschreibt sie ihre Motivation. Dabei sei es ihr wichtig, sich treu zu bleiben und jeden Tag in den Spiegel schauen zu können – auch wenn das bedeutet, innerhalb ihrer Fraktion Freie Bürgergemeinschaft Wandlitz eine andere Meinung zu vertreten und dementsprechend zu votieren. Mit der aktuellen Legislaturperiode wird wohl auch Wilkes Zeit in den politischen Gremien enden, denn sie will sich – zumindest nach aktuellem Kenntnisstand – nicht wieder aufstellen lassen.

Wie schwer es ist, Frauen für die Kommunalpolitik zu begeistern, weiß auch Britta Stark. Bevor sie in den Brandenburger Landtag zog und ihn seit 2014 als Präsidentin leitet, sammelte die Bernauerin ihre Erfahrungen auf kommunaler Ebene, unter anderem als Vorsteherin des Panketaler Ortsteils Zepernick. Sie ist ein Fan des jüngst verabschiedeten Paritätsgesetzes. So werde Frauen und Männern dieselben Chancen eingeräumt. Doch es müssen auch Frauen dazu bereit sein, sie zu ergreifen. „Bei der Aufstellung unserer Liste für die Kreistagswahl hat leider keine der Frauen ‚hier‘ gerufen, sondern den Männern die vorderen Listenplätze überlassen“, berichtet sie. Sie ist überzeugt, dass es für eine von Frauen geführte Liste breite Unterstützung gegeben hätte. Stark stellt klar, dass Frauen nicht in die 2. Reihe verbannt wurden, sondern sich selbst dorthin gestellt hätten – zumindest auf Kreisebene. Ein Blick nach Bernau zeigt eine breitere weibliche Beteiligung in der SPD. Im Ortsverband geben Frauen den Ton an und dies soll auch auf den Listen für die beiden Bernauer Wahlkreise so sein. Dort wird die Parität bereits seit längerer Zeit gelebt. „Das würde 100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts eigentlich allen Parteien und Wählervereinigungen gut zu Gesicht stehen“, resümiert Stark.

Fotos: Gemeinde Wandlitz, Frank Wollgast, SPD

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