Nachrichten - Gesellschaft

Gertraud und Klaus Wahl feierten in der vergangenen Woche Eiserne Hochzeit

Die „alten Eisen“

Datum: 28.05.2019
Rubrik: Gesellschaft

Bernau (fw). Eines ihrer drei Enkelkinder nennt Gertraud und Klaus Wahl die „alten Eisen“. Der Kosename kommt nicht von ungefähr, denn das Ehepaar feierte vergangene Woche Mittwoch seine Eiserne Hochzeit. Am 22. Mai 1954 gaben sich die gebürtigen Berliner das Ja-Wort im damaligen Gemeindehaus von Schönow. Das ist inzwischen 65 Jahre her. Die Eheleute sind stolz, dass sie diesen Meilenstein erreicht haben. Das Geheimnis einer solch langen Beziehung? „Man muss immer kompromissbereit sein und Verantwortung füreinander übernehmen“, meint Klaus Wahl. „Sich lieben gehört natürlich auch dazu“, ergänzt der 84-Jährige. „Wir haben jede große Entscheidung zusammen getroffen“, sagt seine Frau. Eine große Ehekrise hat es nie gegeben. Zwar hat sich das Paar öfter gekabbelt, aber Meinungsverschiedenheit haben sie nie mit ins Bett genommen, sondern gleich geklärt. Ihren Ehrentag feierten sie im Kreis ihrer Liebsten.

Familie Wahl lebt seit langer Zeit in Bernau. Die heute 86-jährige Gertraud zog mit fünf Jahren in die Stadt, ihren späteren Mann verschlug es 1935 nach Schönow. Kennengelernt haben sich Gertraud und Klaus aber auf der Arbeit in Berlin. Beide waren bei der damaligen Reichsbahn angestellt. Sie waren rund anderthalb Jahre zusammen, bevor sie sich das Ja-Wort gaben. Als ihre erste Tochter Sigrid unterwegs war, heirateten sie und bezogen die erste gemeinsame Wohnung in Eichwerder. Dort lebten sie zwei Jahre, bevor sie in die Villa Wieners Gartenhaus in Friedenstal zogen, wo auch die Sowjetarmee ihr Kulturhaus hatte. Während dieser Zeit kam ihre zweite Tochter Christiane zur Welt. Da das Leben dort nicht ganz unkompliziert war, schaute sich die junge Familie nach einer neuen Bleibe um. Ein Häuschen in Nibelungen wurde ihr neues Zuhause. „Da war es schön“, erinnert sich ihre jüngste Tochter, die ebenfalls in Bernau lebt. Da das Haus nach einem gesundheitlichen Rückschlag zu einer Belastung wurde, zog das Ehepaar in den Saturnring um, bevor es in ihr jetziges Domizil in der Herkulesstraße ging, in dem es seit 20 Jahren lebt.

Der gemeinsame Weg war nicht immer leicht. Neben dem Verlust eines Sohnes, den Gertraud vor der Ehe hatte, kamen gesundheitliche Beschwerden dazu. So erlitt Klaus Wahl zwei Herzinfarkte. Dank schneller medizinischer Hilfe überlebte er den zweiten, schweren Vorfall im Alter von 62 Jahren. „Ich will mir gar nicht ausmalen, wie es ohne ihn sein würde“, sagt seine Frau. Diese Meinung teilen auch die beiden Töchter. Christiane sagt: „Er ist unser Fels in der Brandung“. Ihr Vater unterstützt nicht nur sie, sondern die ganze Familie. „Ich freue mich, dass ich ab und zu noch gebraucht werde“, sagt er. Nach der Wende machte der humorvolle Senior seinen Pkw-Führerschein, da war er 57 Jahre alt. Das Paar leistete sich ein Auto, mit dem es viel reiste, unter anderem in die Alpen. Heute ist das nicht mehr möglich, denn seit einem Sturz ist Gertraud nicht mehr so beweglich wie früher. Doch all das schweißte sie enger zusammen. „Wir sind durch dick und dünn gegangen“, so Gertraud.

Für die beiden Rentner zählt die Familie, auf die sie sich immer verlassen können. Besonders Christiane ist eine große Unterstützung. „Ich hatte eine schöne und unbeschwerte Kindheit und deshalb möchte ich etwas zurückgeben“, sagt sie. Aber auch an ihrer anderen Tochter, den drei Enkeln und sechs Ur-Enkeln erfreuen sie sich. „Man merkt, dass sie alle da sind. Gut, dass es ab und zu eine Rentenerhöhung gab“, scherzt Gertraud. Sie freuen sich auf die Geburt ihres ersten Ur-Ur-Enkelkindes, das im Sommer zur Welt kommen soll. Doch besonders glücklich sind sie darüber, dass sie sich gegenseitig haben. „Wir wüssten nicht, was wir ohne einander machen würden“, sagt Klaus Wahl. Er und seine Frau fühlen sich eng verbunden und haben bereits das nächste Hochzeitsjubiläum im Auge: In zweieinhalb Jahren stünde die Steinhochzeit an. „Dann nennt uns unsere Enkelin wahrscheinlich die ‚alten Klamotten‘“, witzelt er.

Foto: Frank Wollgast  

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