Nachrichten - Blaulicht & Verkehr

Wandlitzsee: Taucher suchen weiter nach Kriegsmunition im Strandbad-Bereich

39 Prozent der Fläche munitionsfrei

Datum: 19.06.2019

Wandlitz (fw). Die Entscheidung, dass das Strandbad Wandlitzsee über die Sommermonate geschlossen bleibt, sorgt für Verärgerung in der Bevölkerung. So werden Stimmen laut, die fordern, dass die Suche nach Munition aus dem Zweiten Weltkrieg schneller gehen soll und wieso der Vorgang in den Sommermonaten vollzogen werden muss. Die Gemeinde Wandlitz arbeitet in dieser Sache eng mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst zusammen und beide Seiten sind sicher, dass die Sicherheit der Badegäste vorgeht. „Nicht auszudenken, was passiert, wenn einem Gast etwas zustößt“, sagt Bürgermeisterin Jana Radant. Sie verweist darauf, dass es in der Umgebung viele Badeseen gebe und der Abschnitt vor der Jugendherberge zum Baden genutzt werden kann. Auch die Surfschule ist geöffnet. Da allerdings viele Berliner einen Ausflug zum Strandbad machen und dann vor verschlossenen Türen stehen, informierte die Pressestelle der Gemeinde kürzlich sämtliche Radiosender der Hauptstadt, um Enttäuschungen vorzugreifen.

Von Montag bis Donnerstag sind abwechselnd zwei Trupps, bestehend aus jeweils vier Personen, für rund zehn Stunden am Tag im Einsatz. Zwei Taucher mit einer Spezialausbildung gehen abwechselnd in den See, zwei weitere Menschen überprüfen die Technik. Insgesamt müssen sie eine 9.200 Quadratmeter große Fläche absuchen. Bis 12. Juni 2019 wurden rund 39 Prozent davon beräumt. Der Vorgang ist anspruchsvoll. Ein Taucher trägt eine 30 Kilogramm schwere Ausrüstung samt Spürgerät und riskiert bei jedem Tauchgang sein Leben. Er kann je nach Tiefe rund vier Stunden unter Wasser bleiben. Dabei ist die Sicht oft schlecht und das Gerät reagiert auf alle Metallgegenstände. Es werden also nicht nur Granaten, Waffen und Patronen aufgespürt, sondern auch jede Menge Müll. Das verzögert die Suche. „Sie dauert unter Wasser vier- bis fünfmal länger als an Land“, so Einsatzleiter André Vogel. Dazu kommt, dass die Einsatzkräfte nicht länger als zehn Stunden am Tag arbeiten dürfen und Personal nur schwer zu finden sei. Selbst Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter bestätigte auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Britta Müller, dass der Prozess aufgrund der Gegebenheiten nicht schneller gehen könne.

Radant betont, dass der Zustand für alle Beteiligten unzufriedenstellend sei. Trotzdem gehe die Sicherheit vor. Das gelte auch für das Restaurant, das sich in unmittelbarer Nähe zum Strandbad befindet. Ende April organisierte das Wandlitzer Ordnungsamt 100 Strohballen, die zum Schutz am Ufer aufgestapelt wurden. Sie nehmen Druck und Splitter auf, falls es zu einer unerwarteten Explosion käme. Dadurch könnten vor allem zersplitternde Fenster zur Gefahr für die Gäste werden. Sie können derzeit nicht auf den See, sondern nur auf die Strohmauer schauen, sind aber sicher. „Wir hatten die Wahl zwischen der Schließung oder den Strohballen“, erklärt Ordnungsamtsleiterin Ilka Paulikat. Die Trupps werden verstärkt in dem Seebereich vor dem Restaurant eingesetzt, um die ungeliebten Schutzmaßnahmen schnellstmöglich zu lockern.

Derzeit gehen Gemeinde und Polizei davon aus, dass die Suche sich bis in den August hineinziehen wird. Ob es sich dann noch lohnt, das Strandbad zu öffnen, ist derzeit nicht absehbar. Die Suche wurde nötig, nachdem ein Schnorchler im August 2018 Weltkriegsmunition entdeckte. Daraufhin wurde eine Prüfung angeordnet, die vier Tage lang dauern sollte. Daraus wurde jedoch 123 Arbeitstage, die sich bis zum 14. März 2019 hinzogen. Die Stelle direkt vor der Jugendherberge war rund 2.600 Quadratmeter groß. Taucher fanden neben mehr als 95 Kilogramm Munition auch fünf Kilo Schrott und mussten fünf Sprengungen durchführen. Auch das kam bei Anwohnern nicht gut an. „Das hat keine Kostengründe, sondern ist dem Zustand und der Konstruktion einiger Funde zuzuschreiben“, erklärt Vogel. Sie lassen keinen Transport zu. Inzwischen kann dieser Abschnitt wieder zum Schwimmen, Planschen und Sonnenbaden genutzt werden.

Foto: Gemeinde Wandlitz

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