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Ein Stück Mauer im Flur

Massiver Mitbewohner

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Beitrag: Massiver Mitbewohner

Datum: 15.11.2019
Rubrik: Kunst & Kultur

Für Ute Donner beginnen die meisten Tage mit einer Tasse Kaffee. Die langjährige Künstlerin aus Berlin wohnt alleine, und doch hat sie seit ungefähr einem Jahr einen ungewollten Mitbewohner. Ein Mauerstein ragt in ihrem Flur in die Höhe. Im Alltag sorgt der sperrige Koloss gleich für mehrere Probleme. Die Styropor-Mauer ist ein Überbleibsel der Jubiläumsaktion zu 20 Jahren mauerfall, die von der Kulturprojekte Berlin GmbH ins Leben gerufen wurde. 1.000 solcher Steine wurden von Unternehmen, Schulen, Künstlern und vielen anderen Personen gestaltet, darunter auch der von Ute Donner. Am 9. November 2009 wurden sie am Brandenburger Tor zu einer Kette aufgestellt und zum Höhepunkt zu Fall gebracht. Von 2014 bis 2018 stand der Stein im Berliner Café Sybille. Nach einem Betreiberwechsel wurde Ute Donners Dauerausstellung mit Bestimmtheit aus dem Café gedrängt. Als die Überredungsversuche fehlschlugen, wurde der Stein zur nahgelegenen Wohnung der Künstlerin gebracht, damals noch mit dem Hintergedanken, den Stein als Raumteiler zu nutzen. Die Platzprobleme sind aber nicht der Grund, der Ute ein ungutes Gefühl bereitet. Der Dominostein verkörpert einen großen Teil der Geschichte der DDR sowie des Bezirks Friedrichshain. Der historische und symbolische Wert ihres Kunstwerks wiegt schwer. Seit nun mehr einem Jahr steht er hier, für fast niemanden sichtbar. Für Ute Donner stellt der Stein aber noch mehr da. Eine Verbindung zu ihrer eigenen Geschichte und zur echten Mauer. Im Rahmen der Aktion „Malen gegen den Abriss“ hat sie kurz nach der Wende bereits echte Teile der Mauer bemalt. Wie schon auf dem Domino-Stein, hat sie ihr Mauerbild der Musik gewidmet: Dort war es jedoch keine Hommage an Gundermann, sondern an die verstorbene Silly-Frontfrau, Tamara Danz. Den Ostrock-Musikern lag es auch außerhalb ihrer Texte am Herzen, sich für ein freies und gleiches Deutschland sowie Frieden über die Landesgrenzen hinaus einzusetzen. Ideen, die sich noch heute in aktueller Form in den Bildern der Künstlerin sowie in ihrem Projekt „Umbrella Peace Art“ wiederfinden, für das sie zahlreiche Schirme mit verschiedensten Motiven bemalt hat, viele davon behandeln die Themen Frieden und Musik.

Der Domino-Stein hat noch eine weitere Besonderheit zu bieten. In der Zeit, in der er im Café Sybille stand, haben zahlreiche namhafte und geschichtsträchtige Persönlichkeiten ihre Unterschrift auf dem Stein hinterlassen.

Eines ist der Künstlerin schon lange klar. Der Domino-Stein kann nicht noch länger hier stehen. Auf zahlreiche Anfragen bei Museen, Personen aus der Politik und Kunstsammlern hat sich bisher nur verhaltenes Interesse gezeigt. Dabei würde Ute Donner den Stein auch kostenlos abgeben. Allerdings stellt sie ein paar Bedingungen an die zukünftigen Besitzer.

Auch ein fester Platz ist wichtig, denn das Styropor ist empfindlich und schnell beschädigt. Bei ihrer Suche beschränkt sich die Künstlerin nicht nur auf Berlin. Sollte sich jemand in Brandenburg oder von weiter entfernt finden, der den Stein transportieren kann und die Bedingungen erfüllt, gibt sie ihn gerne in ein neues Heim. Über die Kontaktdaten auf ihrer Homepage www.ute-bella-donner.weebly.com (Email: ute.d@gmx.de) ist die Künstlerin erreichbar. Bis sich jedoch ein neuer Besitzer gefunden hat, wird die Mauer wohl weiter auf dem Flur stehen bleiben. Bericht/Kamera/Schnitt: Wilhelm Zimmermann

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